Determinanten des Ölpreises
Der Rohölpreis ist weltweit die vielleicht bedeutendste wirtschaftliche Größe. Betrug der Preis für ein Barrel Rohöl Ende der neunziger Jahre im Tiefpunkt noch 10 US-Dollar, stieg er bis Mitte 2008 auf rund 145 US-Dollar an, um dann innerhalb von 6 Monaten auf 34 US-Dollar zu fallen. Mittlerweile bewegt sich der Preis wieder auf 80 US-Dollar zu.
Quelle: Hamilton (2008)
Diese hohe Volatilität des Rohölpreises macht die Prognose für Analysten, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger schwierig. Eine interessante Research-Arbeit über die Determinanten des Rohölpreises ist kürzlich von Prof. James D. Hamilton von der Universität Kalifornien veröffentlicht worden. Darin stellt er verschiedene Zugangswege zu den Größen, die den Ölpreis beeinflussen, vor und führt die Erkenntnisse abschliessend zu einer Prognose zusammen.
Prof. Hamilton stellt insgesamt drei Bereiche vor, die die Rohölpreise determinieren könnten. Diese sind a) die statistische Analyse von historischen Korrelationen, b) die Anwendung von verschiedenen ökonomischen Theorien zum Ölpreis und c) die Analyse der Treiber von Angebot und Nachfrage.
Die statistische Analyse ergab, dass Änderungen im realen Ölpreis historisch permanent, schwer vorhersagbar und in verschiedenen Umweltzuständen eingetreten sind.
Quelle: Hamilton (2008)
Die untersuchten ökonomischen Theorien beschäftigen sich mit der Lagerhaltungs-Arbitrage, den Terminmärkten, der Knappheit des Gutes Rohöl sowie der Spekulation.
Bei der Analyse der Angebots- und Nachfrageseite kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Abhängigkeit vom Rohöl und der gestiegenen Nachfrage aus den Entwicklungsländern eine unelastische Nachfrage auf dem Ölmarkt vorherrscht. Die Angebotsseite ist durch eine Kartellbildung und Verknappung durch zeitliche Verzögerungen bei der Exploration und aufgrund des begrenzten Ölvorkommens gekennzeichnet.
Hamilton kommt zu dem Ergebnis, dass keine statistische oder theoretische Analyse zu einer vernünftigen Prognose des Ölpreises führt, was er anhand historischer Daten unterlegt.
Eindeutig seien nur diese drei Trends auf dem Ölmarkt: Erstens sinke die Nachfrage nach Rohöl kaum, wenn die Preise steigen. Zweitens steige im Zuge der Industrialisierung Chinas, Indiens und anderer Länder der weltweite Bedarf an Rohöl. Drittens werde es immer schwerer, die Fördermengen zu erhöhen. Hamilton zieht daraus den Schluss, dass die Preise künftig eher steigen statt fallen.