Desinvestition aus fossilen Energiewerten als Chance
Unternehmen im Segment der fossilen Energieträger (Öl-, Gas- und Kohle) werden von institutionellen Investoren aus ökologischen und ethischen Gründen oder Risiko-Management-Gesichtspunkten zunehmend gemieden. Bloomberg New Energy Finance untersucht in einer aktuellen Studie diesen Trend und analysiert die Eignung möglicher Alternativinvestments.
Fossile Energieaktien weisen für institutionelle Investoren vier Vorteile auf. Zunächst handelt es sich um ein sehr großes Segment: Auf die 1.500 börsennotierten Öl- und Gasunternehmen entfällt ein Börsenwert von rund 4,9 Billionen US-Dollar. Weitere 230 Mrd. US-Dollar sind die 275 gelisteten Kohleunternehmen wert. Gleichzeitig ist die Liquidität der meisten Titel sehr hoch. Durch die enge Verzahnung der Energiewirtschaft mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung haben vor allem die Unternehmen aus dem Öl- und Gasbereich in den vergangenen Jahren den Markt outperformt - bei Dividendenrenditen von im Mittel über 2 %.
Quelle: Bloomberg New Energy Finance
Sollten größere Divestment-Kampagnen erfolgreich sein, so würden sie vermutlich vor allem die private Asset-Management-Branche betreffen, weniger dagegen die staatlichen strategischen Investoren.
Als Alternativen bieten sich Anlagen in erneuerbare Energien an, die nach Schätzungen bis 2030 rund 5,5 Billionen US-Dollar an Neuinvestments anziehen werden. Hierzu zählen Clean-Energy-Aktien, deren Gesamtvolumen sich nach deutlichen Anstiegen in den vergangenen Jahren aktuell auf rund 220 Mrd. US-Dollar beläuft. Weiterhin können Yield-Cos (börsennotierte Betreiberunternehmen mit klar prognostizierbaren Cash Flows) und Green Bonds eine Alternative darstellen.
Quelle: Bloomberg New Energy Finance
Genauso wie andere Alternativen, seien es Aktien der Telekommunikationsbranche, deren Volumen noch größer ist als das der fossilen Energieträger, oder REITs, deren Ausschüttungen sich auf einem höheren Niveau bewegen als die Dividendenrenditen der Öl- und Gaskonzerne, können Clean-Energy-Anlagen jedoch nicht alle Vorteile gleichzeitig erfüllen, die fossile Energieunternehmen institutionellen Investoren bieten. Vor diesem Hintergrund ist einerseits eine massive Erweiterung des Spektrums an Yield-Cos und Green Bonds erforderlich, wie auch die Einführung vollkommen neuer Investment-Instrumente.