08.02.2023 | Märkte

Demografie und Kapitalkosten

Seit 2020 sinkt die sog. „demografische Dividende“ in Nordamerika, Europa und China, die seit Ende des zweiten Weltkrieges durch die Baby-Boomer-Generation für Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gesorgt hatte. Bis zum Jahr 2030 wird der Großteil dieser Generation aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. In der Folge dürfte die relative Knappheit auf dem Arbeitsmarkt strukturellen Druck auf Inflationsraten und Kapitalkosten ausüben, erwarten vier Autoren von Lombard Odier in einem Research-Bericht.


Quelle: Lombard Odier


Die Autoren untersuchen eine Reihe von Trends, die sich aus dieser Entwicklung ergeben. Erstens rücken geburtenreiche Regionen und Staaten, wie Indien und einige Länder Afrikas, stärker in den Fokus. Um diese Generationen in die westlichen Ökonomien zu integrieren, bestehen zwei Möglichkeiten: Outsourcing und Migration. Letzteres erscheint vor dem Hintergrund des sozialen und politischen Klimas unwahrscheinlich. Auch für das Outsourcing von Produktionsprozessen bestehen zunächst hohe Hürden in Form von bspw. mangelnder Infrastruktur oder niedrigem Bildungslevel. Ein zweiter Trend besteht in weiter zunehmender Automatisierung und dem Einsatz von Robotern. Ein dritter Trend wird sein, dass immer mehr Menschen immer länger arbeiten werden. Um die jährliche Schrumpfung der Kohorte im arbeitsfähigen Alter von rund 1 % zu kompensieren, müsste bspw. die Beteiligungsrate von Frauen am Arbeitsmarkt um 2 % p.a. steigen, um bis 2030 das Niveau der Männer zu erreichen. Ab 2030 müsste die Beteiligungsrate für beide Gruppen dauerhaft bei mindestens 80 % liegen – deutlich über dem heutigen Niveau von rund 74 % in der EU.



Quelle: Lombard Odier (Henk Grootveld, Pascal Menges, Florian Ielpo, Didier Rabattu)


Die demografische Entwicklung verschiebt damit das Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum und bewirkt damit tendenziell höhere Inflationsraten. Zugleich sind die Konsummuster älterer Generationen oftmals weniger stark durch automatisierte Produktionsprozesse zu decken als die jüngerer Generationen: Fine Dining und Reisen vs. Kinderspielzeug und Minivans. Ebenfalls sinkt das volkswirtschaftliche Sparvolumen, was weiteren Druck auf reale Zinssätze ausübt.

 

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