24.04.2014 | Märkte

DB Research: Herausforderungen für die betriebliche Altersversorgung

Der Ausfinanzierungsgrad vieler Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV) in Kontinentaleuropa hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, hat die Deutsche Bank in einer Marktanalyse Anfang April berichtet. Steigende Aktien- und Anleihenkurse haben etwa in den Niederlanden und der Schweiz den Deckungsgrad privater Pensionsfonds und -kassen im Durchschnitt über 100 % steigen lassen. Dennoch bleibt die Situation herausfordernd. Neben den Folgen des anhaltenden Niedrigzinsumfelds gehen vor allem von der steigenden Lebenserwartung enorme Belastungen aus, die bislang häufig nur unzureichend erkannt werden. So rechnet der Bericht vor, dass der Anstieg der Lebenserwartung um ein Jahr den Barwert der Zahlungsverpflichtungen zwischen drei und fünf Prozent erhöht. Für die DAX-Unternehmen bedeutet dies einen Anstieg der Verpflichtungen um rund 15 Mrd. Euro.


Quelle: Deutsche Bank Research

Lösungsansätze könnten in einer Auslagerung des Langlebigkeitsrisikos an Versicherungen oder den Kapitalmarkt liegen. Für ersteres finden sich international zwei Varianten: Buy-Out- und Buy-In-Lösungen. Buy-Out-Lösungen lagern den Pensionsplan vollständig an eine Versicherung oder Rückversicherung aus, die alle Zahlungsverpflichtungen und Risiken übernimmt. Bei der Buy-In-Lösung bleibt die Versorgungseinrichtung zahlungspflichtig gegenüber den Planmitgliedern. Eine Versicherung übernimmt jedoch gegen eine entsprechende Prämie, die Zahlungen an eine Teilgruppe der Planmitglieder, etwa höherer Angestellter. Beide Ansätze setzen prinzipiell eine völlige Ausfinanzierung der Zahlungsverpflichtung voraus. Der Pensionsfonds kann auf diesem Weg Risiken auslagern, verpasst allerdings Chancen positiver Trends. Als dritte Lösung etabliert sich zunehmend eine Absicherung über den Kapitalmarkt. In einem individuellen Longevity-Swap mit einer Investment Bank oder Versicherung zahlt die Pensionskasse eine feste Prämie an den Risikonehmer, der dafür die in jeder Periode anfallenden Rentenzahlungen übernimmt. Die Vorsorgeeinrichtung behält hier volle Kontrolle über die Anlagestrategie des Plans und erhält gleichzeitig eine speziell zugeschnittene Absicherung.


Quelle: Deutsche Bank Research

Kleinere Pläne können sich über indexbasierte Swaps absichern. Hier richten sich die Zahlungen des Risikonehmers nicht nach den tatsächlichen Zahlungen, sondern sind an einen Referenzindex gebundenen. Der Pensionsfonds trägt so das Risiko, das sich aus der Differenz der eigenen Planmitglieder zum Sterblichkeitsindex ergibt. Neue Impulse verspricht auch die europäische Pensionsfonds-Richtlinie IORP II, die das Aufsichtsrecht von Pensionsfonds harmonisiert, qualitative Mindeststandards einführt und Grundprinzipien für die Kapitalanlage festschreibt, jedoch keine quantitativen Anforderungen enthält. Deutsche EbAV fordern in erster Linie Verbesserungen der steuerlichen Rahmenbedingungen.

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