Carry-Strategie auf Basis der Krümmung der Zinskurve
Ferdinand Dreher, Johannes Gräb und Thomas Kostka von der EZB haben in einem Researchpaper von Mai 2018 die Eigenschaften einer Carry-Strategie untersucht, die Signale nicht aus Zinsdifferenzen, sondern aus der relativen Krümmung der Zinsstrukturkurve generiert. Je geringer die Krümmung der lokalen Zinskurve gegenüber der Krümmung der US-Zinskurve, desto größer ist die erwartete Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Basierend auf diesem Ergebnis sortieren die Autoren die G10-Währungen nach der Krümmung ihrer Zinskurven. Short-Positionen werden in Währungen mit niedriger und Long-Positionen in Währungen mit hoher Krümmung der Zinsstrukturkurve eingegangen (Curvy-Strategie). Das Datensample umfasst den Zeitraum 1991 bis 2015.
Während eine klassische Carry-Strategie je nach Anzahl der gehandelten Währungspaare Sharpe Ratios von 0,09 bis 0,27 erzielt, liegt die Curvy-Strategie im gleichen Zeitraum bei 0,36 bis 0,56, wobei die höchste risikoadjustierte Performance mit nur jeweils einer Long- und Short-Position im Portfolio erreicht wird. Weiterhin ist mit Ausnahme des letztgenannten Ansatzes keine negative Schiefe der Renditeverteilung nachweisbar. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Curvy-Strategie weniger stark in klassischen Carry-Währungen wie dem japanischen Yen oder Schweizer Franken engagiert ist – sowohl Long als auch Short. Vor diesem Hintergrund ist die Curvy-Strategie weniger anfällig gegenüber Crash-Risiken.

Quelle: EZB
Gestützt wird dies dadurch, dass Faktoren, die zur Prognose klassischer Carry-Renditen geeignet sind, etwa die Volatilität der Wechselkurse, keinen Erklärungsgehalt für die Curvy-Renditen aufweisen. Daraus schließen die Autoren, dass Curvy-Renditen nicht als Kompensation für Risikofaktoren interpretiert werden können. Stattdessen wird eine hohe Krümmung der Zinsstrukturkurve als Signal für höhere kurzfristige Zinsen in der Zukunft betrachtet, was wiederum mittelfristig zu Aufwertungsdruck der entsprechenden Währung führt.
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