Bundesbank kritisiert Hochfrequenzhandel
Im aktuellen Monatsbericht hat die Deutsche Bundesbank die Auswirkungen des Hochfrequenzhandels (HFT) auf Liquiditätsbereitstellung und Volatilitätsverstärkung untersucht. Hierzu fokussiert sich die Bundesbank auf den DAX- und den Bund-Future und stützt sich auf ein Datensample der Eurex. Statistische Arbitrage wird als grundsätzlich unbedenklich angesehen, da diese lediglich zu schnelleren Preisanpassungen führt. Daher konzentriert sich die Analyse auf die Auswirkungen direktionaler und passiver Strategien. Ersteres stellt eine zumeist unbesicherte Position in Richtung antizipierter Preisveränderungen dar, üblicherweise trendfolgend. Passives HFT-Trading generiert Gewinne durch Liquiditätsbereitstellung bzw. die Ausnutzung des Bid-Ask-Spreads. Unterschieden wird zwischen aktiven und passiven Orders bzw. Investoren. Aktive Orders werden sofort ausgeführt (liquiditätsentziehend), während passive Orders im Buch verbleiben und somit die Liquidität des Marktes steigern.
Beim Bund Future zeigen die Untersuchungen, dass vor allem in einem volatileren Umfeld HFT-Investoren verstärkt aktiv handeln und somit die Liquidität reduzieren können. Dies führt zwar einerseits zu besserer Preisfindung, kann aber auch zu kurzfristiger, übermäßiger Volatilität beitragen. Unklar bleibt dabei allerdings, ob der Hochfrequenzhandel die Volatilität verursacht oder lediglich zur Erzielung höherer Gewinne ausnutzt. Passive HFT-Investoren fahren in Phasen erhöhter impliziter Volatilität ihr Engagement tendenziell zurück und verringern damit die bereitgestellte Liquidität. Die Ergebnisse für den DAX-Future decken sich weitgehend mit denen im Bond-Markt. Gerade kurz vor der Veröffentlichung wichtiger Marktdaten nimmt die Liquiditätsbereitstellung signifikant ab, leistet aber außerhalb dieser Phasen einen stabilen Beitrag für die Marktliquidität. Dabei betont die Bundesbank, dass es sich um seltene und kurzfristige Rückzüge handelt, die eher eine Ausnahme darstellen.
Quelle: Bundesbank, Eurex
Die Bundesbank fordert, Anreizsysteme zu schaffen, die passive HFT-Anleger ermutigt, die Liquiditätsbereitstellung auch in Phasen hoher impliziter Volatilität aufrecht zu erhalten. Weiterhin wird das Risiko temporär überhöhter Volatilität durch die Handelsaktivitäten aktiver HFT-Strategien hervorgehoben. Möglicher Lösungsansätze wären ein Übergang vom fortlaufenden Handel zu einer Abfolge einzelner Auktionen oder die Einführung einer kurzen Zeitverzögerung bei der Orderausführung.
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