30.07.2018 | Märkte

BIS analysiert Kryptowährungen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) ist in einem Bericht der Frage nachgegangen, ob Kryptowährungen langfristig eine Rolle im Geldsystem spielen können. Der zunächst auf die Geschichte des Geldes gerichtete Blick zeigt, dass die institutionelle Absicherung des Geldes für die Funktionsfähigkeit des Geldsystems ein wichtiger Aspekt ist. Geld dient als Koordinationsinstrument, weshalb die Geldmenge mit der Wirtschaft mitwachsen und elastisch auf Nachfrageschwankungen reagieren muss.

Kryptowährungen basieren auf drei Elementen: dem zugrundeliegenden und per Computercode festgelegten Regelwerk, auch Protokoll genannt, das vorschreibt, wie die Teilnehmer Transaktionen abwickeln; der Erfassung der gesamten Transaktionshistorie, die im Ledger gesammelt wird; die Festlegung des Aktualisieren, Speichern und Lesen der Transaktionsdaten nach dem Regelwerk des Protokolls. Typisch für Kryptowährungen ist, dass der Geldtransfer dezentral, ohne Zwischenschaltung einer zentralen Gegenpartei, erfolgen kann.


Quelle: BIS Working Papers

Die Autoren führen einige Argumente an, die gegen die sog. Distributed-Ledger-Technologie bei Kryptorwährungen sprechen und beziehen sich dabei unter anderem auf ökonomische Probleme, wie die Skalierbarkeit, Kursinstabilität, Zahlungsfinalität und Manipulation.

Zur Erfüllung der Vertrauensbildung muss jeder einzelne Nutzer die komplette Transaktionshistorie herunterladen und validieren. Mit wachsenden Transaktionen nehmen allerdings auch das Datenvolumen und die benötigte Zeit erheblich zu. Durch eine rasch wachsende Transaktionsanzahl kann sich aufgrund eines vordefinierten Intervalls für neue Blöcke ebenfalls eine lange Wartschleife entwickeln, was Kryptowährungen unter Umständen weniger alltagstauglich machen kann.

Zur Vertrauensbildung hinsichtlich des Kurses ist die Geldmenge im Protokoll vorgegeben. Hierdurch ist allerdings keine elastische Anpassung der Geldmenge möglich, wodurch sich Nachfrageschwankungen in Kursschwankungen niederschlagen und zu sehr volatilen Kursschwankungen führen können.


Quelle: BIS

Gewährleistet werden kann auch nicht die Finalität einzelner Zahlungen. Wenn bspw. die Historie von zwei Minern nahezu zeitgleich aktualisiert wird, kann es dazu führen, dass eine Transaktion rückabgewickelt wird. Dieser Umstand begünstigt mögliche Manipulationen durch Miner mit Kontrolle über eine substanzielle Rechenleistung.

Trotz der Kritik kann sich die Distributed-Ledger-Technologie aber in anderen Anwendungsbereichen auszahlen und Mehrwert leisten. Ein Beispiel hierfür ist das Building-Blocks-System des Welternährungsprogramms, über das die Lebensmittelhilfe für Flüchtlinge im Ausland abgerechnet wird. Hierbei handelt es sich zwar um ein Kryptozahlungssystem, eigentliches Zahlungsmittel ist aber die offizielle Währung. Außerdem nimmt das Welternährungsprogramm die zentrale Kontrollinstanz ein.


Themen rund um Bitcoin, Crypto Token und ICOs werden derzeit kontrovers diskutiert. Was sich konkret hinter diesen Begriffen verbirgt, erläutern Tarek Mardini und Dr. Christian Hillebrand von P + P Pöllath + Partners in einem Fachbeitrag im Absolut|report 3|2018. Sie zeigen auf, welche Anlagemöglichkeiten sich für institutionelle Investoren ergeben und wie diese aktuell aufsichts- und steuerrechtlich einzuordnen sind.

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