04.11.2015 | Recht

Separate Behandlung von Infrastrukturinvestments unter Solvency II

Die Europäische Kommission hat Ende September im Rahmen eines Maßnahmenpaketes zur Kapitalmarktunion eine Reihe von Nachträgen zur Solvency II-Richtlinie veröffentlicht. Die wichtigste Änderung sieht die Schaffung einer separaten Asset-Klasse für hochqualitative Infrastrukturinvestments vor, welche als sogenannte 'Qualifying Infrastructure Investments' künftig eine eigene Kategorie bilden. Investoren profitieren von einer vorteilhaften Risikokalibrierung und niedrigeren Eigenkapitalquoten. Beispielsweise ist für ungelistete Eigenkapitalbeteiligungen, die den Kriterien entsprechen, künftig nur noch eine Unterlegung von 30 statt 49 % notwendig. Die Europäische Kommission folgt damit dem unteren Ende der von der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) vorgeschlagenen Spannweite von 30 bis 39 %. Für Fremdkapitalbeteiligungen liegt die Unterlegungsquote für das Spread-Risiko durchschnittlich 30 % niedriger als für vergleichbare Instrumente ohne Infrastrukturbezug.

In die neue Kategorie fallen Eigen- und Fremdkapitalinstrumente von Gesellschaften, deren einziger Geschäftszweck in dem Besitz, der Finanzierung oder Entwicklung oder dem Betreiben von Infrastrukturanlagen besteht. Zweitens muss diese Geschäftstätigkeit die primäre Quelle für die Bedienung der emittierten Wertpapiere darstellen. Drittens müssen Investorenschutz und Cashflows auf Emittentenseite, sowie Due Diligence und Risikomanagement auf Investorenseite den höchsten Ansprüchen des Gesetzgebers genügen. Im Falle von Fremdkapitalbeteiligungen mit Laufzeit muss zudem sichergestellt sein, dass das Instrument bis zu Fälligkeit gehalten wird. Das Rating muss darüber hinaus im Investment Grade liegen. Bei ungerateten Wertpapieren schreibt die Kommission eine Reihe von Anforderungskriterien vor. Investitionen in gelistete und ungelistete Eigen- und Fremdkapitalinstrumente mit Infrastrukturbezug werden unter neuen Regulierung insgesamt deutlich gegenüber vergleichbaren Wertpapieren ohne Bezug auf Infrastruktur bevorzugt.

Absolut Research analysiert institutionelle Publikumsfonds mit Fokus auf Infrastruktur jeden Monat in der Publikation Absolut|ranking Listed Infrastructure & Private Equity. Insgesamt umfassen die Absolut|rankings mehr als 12.000 institutionelle Publikumsfonds und ETFs, aufgeteilt in 25 Asset-Klassen und Marktsegmente und mehr als 100 Universen.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "Infrastruktur"
zurück