06.12.2016 | Research

Einfluss der Demographie auf Zinsentwicklung

Trotz Niedrigzinspolitik bleibt das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern hinter den historischen Erwartungen zurück. Etienne Gagnon, Benjamin K. Johannsen und David Lopez-Salido von der Federal Reserve in den USA untersuchen in einem im Oktober veröffentlichten Forschungspapier, welche Rolle die Demographie seit 1980 für diese Entwicklung spielt. Sie konstruieren ein BIP-Modell für die USA, das unter anderem die Dynamik von Sterblichkeit, Arbeitnehmerzahl, Lebenserwartung, Migration und Familienstruktur berücksichtigt. Demnach entfallen 1,25 Prozentpunkte des Rückgangs des gleichgewichtigen Realzinses im Modell auf demographische Faktoren. Auch die reale Wachstumsrate des BIP wurde durch demographische Veränderungen um 1,25 Prozentpunkte reduziert. Größter Einflussfaktor ist langsameres Wachstum der arbeitenden Altersschicht.


Quelle: Gagnon, Johannsen, Lopez-Salido

Ihr Modell zeigt, dass der Einfluss zwischen 1980 und 2000 wesentlich weniger stark ausgeprägt war als in der Zeit seit der Jahrtausendwende. Die Autoren geben zu bedenken, dass ein Teil des Rückgangs auf Effekte der Finanzkrise zurückzuführen sein könnte und daher nur eine temporäre Reduzierung des BIP-Potenzials vorliegt. Aber auch wenn ihr Modell um Produktivität korrigiert, zeigt sich ein unverändertes Bild.


Quelle: Gagnon, Johannsen, Lopez-Salido

Die Autoren schlussfolgern, dass die Dynamik von Zins und BIP eine enge Verbindung zum Babyboom der Nachkriegsjahre aufweist. Seit Mitte der 1960er Jahre stiegen Anteil der arbeitenden Altersschicht, BIP und Zins. Dieser Effekt verschärfte sich noch, da die Generation der Baby-Boomer weniger Kinder bekam als die Generation ihrer Eltern. Ebenfalls hat die Generation der Baby-Boomer eine erheblich höhere Lebenserwartung. So erreichte die demographische Dividende zur Jahrtausendwende ihren Höhepunkt und ist seither rückläufig, was sich den Autoren zufolge strukturell negativ auf Zins- und Wachstumserwartung auswirkt. Die Autoren argumentieren, dass die USA nun ein "New Normal" erreicht haben und künftig durch anhaltend niedrigere Zinsen und niedriges Wachstum gekennzeichnet sein werden.

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