14.03.2013 | Research

Auswirkungen von Solvency II auf die langfristige Kapitalanlage

Eine Studie der OECD untersucht, welche Auswirkungen Solvency II und die überarbeiteten Rechnungslegungsvorschriften IFRS 9 und IAS 19 auf die Kapitalanlage von Versicherungen und Pensionsfonds haben. Die Ende letzten Jahres erschienene Arbeit mahnt den Gesetzgeber insbesondere die langfristigen Folgen für die Portfoliostruktur im Auge zu behalten. Gerade die geplanten risikobasierten Solvenzkriterien dürfen nicht zu prozyklischem Verhalten anregen. Die Autoren betonen, dass unterschiedliche Asset-Klassen entsprechend ihrem speziellen Risikoprofil behandelt werden müssen. Ebenso ist eine flächendeckende Einführung von Fair-Value-Bewertungen nicht zweckmäßig. Auch hier ist eine stärkere Differenzierung zwischen verschiedenen Anlageklassen ratsam, um prozyklischem Kauf- und Verkaufsverhalten entgegenzuwirken, schreiben die Autoren.


Quelle: OECD

Unter der geplanten Solvency-II-Gestaltung werden viele Institutionelle ihr Rendite-Risiko-Profil überdenken müssen. Langlaufende Euro-Staatsanleihen und Swaps sowie kürzer laufende Unternehmensanleihen werden von der Regulierung bevorzugt. Gerade diese Asset-Klassen werfen derzeit aber kaum noch attraktive Kuponzahlungen ab. Für höher verzinste langlaufende Schuldpapiere privater Emittenten dagegen fordert Solvency II eine hohe Eigenmittelunterlegung. Auch für Infrastrukturbonds unterstellt Solvency II eine relativ hohe Ausfallquote, die ein Investment für viele Versicherer uninteressant werden lässt.

Wie groß die tatsächlichen Portfolioumschichtungen des Sektors sein werden hängt logischerweise davon ab, wie die Branche heute investiert ist. Insbesondere Fonds und Versicherer mit vergleichsweiser hoher Aktienquote (bspw. in Finnland, Schweden) werden den Anreiz haben ihr Exposure zu reduzieren. Institutionelle Anleger in Frankreich und Deutschland sind bereits stark in Staats- und sicheren Unternehmensanleihen investiert, hier erwartet die Studie geringere Auswirkungen.

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