Auswirkungen einzelner Screening-Kriterien auf die Performance von SRI-Fonds
Eine im Dezember erschienene wissenschaftliche Arbeit der Universität Paris untersucht die Performance von Fonds, die einen Social-Responsible-Investing-Ansatz verfolgen. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den Auswirkungen verschiedener Screening-Methoden auf die Performance. Als Datensatz dienen 116 französische Fonds aus der Novethic-Datenbank in der Periode 2001 bis 2007. Diese SRI-Datenbank erlaubt neben herkömmlichen Fondsdaten Zugriff auf Intensität, Art und Qualität der Screening-Prozesse.
Quelle: Capelle-Blancard, Monjon (2010)
Daher werden speziell die Häufigkeit und Intensität der Screens, mit Hinblick auf Ausschluss- und ESG-Kriterien (Best in Class) untersucht. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Ausschluss-Screening für bestimmte Sektoren die Performance negativ beeinflusst, während positive Screening-Kriterien keinen signifikanten Einfluss zeigen.
Quelle: Capelle-Blancard, Monjon (2010)
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Negativ-Screening die Diversifikationseigenschaften verschlechtert und daher zu geringeren risikoadjustierten Renditen führt. Einige spezielle Screening-Kriterien wie Corporate Governance und SRI-Research bedürfen jedoch weiterer Untersuchungen. Des Weiteren stellt die Arbeit einen hervorragenden Überblick über bisherige Arbeiten zum Einfluss von SRI-Screening auf die Portfolio-Performance zusammen.
Kritisch anzumerken ist, dass der Analysezeitraum die Finanzkrise nicht mit einschließt, da unter extremen Marktbedingungen der Ansatz von SRI-Titelselektion eventuell bessere Ergebnisse liefern könnte, als der Marktdurchschnitt. Die Arbeit Derwall, Koedijk, Ter Horst (2010) (siehe Absolut|report-News: "Einfluss von SRI-Analysen auf die Portfolio Performance") kommt zu einem ähnlichen Ergebnis für Negativ-Screening, sieht jedoch Outperformance bei positiven Screens. Weitere Untersuchungen über einen längeren Zeitraum und mit einer breiteren Datenbank dürften daher von Interesse sein.