Auswirkungen eines Verbots von Leerverkäufen
Bei irrationalen Verkaufsentscheidungen kann Herdenverhalten am Finanzmarkt zu Fire Sales und Ansteckungsrisiken führen, die die Stabilität des Finanzsystems bedrohen. Während der Finanzkrise wurden daher in vielen Staaten Leerverkäufe bestimmter Aktientitel untersagt. In einem aktuellen Forschungspapier untersuchen Roman Kräussl, Philip Stork und Luiz Félix von der Universität Amsterdam und der Luxembourg School of Finance die Auswirkungen dieser Politik. Zu diesem Zweck verwenden die Autoren Daten für 185 Aktienwerte im Zeitraum Februar 2008 bis März 2012.
Die Effektivität des Verbots wird von den Autoren bestätigt, da trotz hoher Nachfrage nach Short-Positionen bei den betroffenen Titeln ein deutlicher Rückgang des Volumens an Leerverkäufen zu verzeichnen war. Als Ausweichreaktion der Investoren machen die Autoren einen deutlich verstärkten Handel mit Indexderivaten aus, so dass sich der Verkaufsdruck auf ein breiteres Segment verteilte.
Quelle: Félix, Kräussl, Stork (2013)
Die Ergebnisse des Papers zeigen jedoch auch, dass unmittelbar nach dem Verbot der Leerverkäufe die Risikoaversion der Investoren gemessen an der impliziten Volatilität von Aktienoptionen anstieg. Dies gilt sowohl für die vom Verbot betroffenen als auch für die nicht betroffenen Aktien. Dieser Effekt ist auch dann signifikant, wenn diverse andere Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Besonders stark war der Anstieg aber für die vom Verbot betroffenen Papiere, hier verblieb die Risikoaversion zudem für die gesamte Zeit des Verbotes auf einem erhöhten Niveau.
Insgesamt stellen die Autoren fest, dass das Verbot von Leerverkäufen zu einer Abnahme des Verkaufsdrucks auf die betroffenen Titel führte und damit durchaus einen Beitrag zur Stabilisierung des Finanzsystems leistete. Die als Konsequenz stark gestiegenen Hedging-Kosten bei den betroffenen Werten stellen jedoch einen gewissen Grad von Marktversagen dar.