Anleihenqualität sinkt in entwickelten Märkten weiter ab
Die Ratingentwicklung war in allen Bond-Klassen im Jahr 2012 wenig erfreulich, berichtet Fitch in den Mitte März veröffentlichten Jahresberichten zu Rating Transition und Defaults. Die globale Wirtschaftslage war 2012 geprägt von einer Rezession in den meisten europäischen Staaten, dem Fiscal Cliff in den USA und sich abschwächendem Wachstum in den Schwellenländern. Die Rating-Entwicklung insgesamt verlief bei Sovereign Bonds negativ. 7 Upgrades standen 13 Downgrades gegenüber, in den Emerging Markets waren die Veränderungen jedoch leicht positiv mit einem Verhältnis von 6 zu 4. Ein Default stand 2012 zu Buche, Griechenland restrukturierte seine Verschuldung zu Lasten privater Gläubiger. Die Summe der Sovereign Bonds trägt zudem weiterhin einen negativen Ausblick vor sich her, mit einer vermutlich weiteren Verschlechterung der durchschnittlichen Rating-Qualität, so Fitch.
Quelle: Fitch
Ähnlich verlief die Entwicklung bei Corporate Bonds und Financials. Das schwache makroökonomische Umfeld führte bei den Financials zu einem Verhältnis von Downgrades zu Upgrades von 1,4 zu 1. Corporate Bonds drehten von einem positiven Verhältnis von 0,6 zu 1 im Vorjahr auf 1,1 zu 1. Dies ist das fünfte Jahr negativer Rating-Entwicklung in Folge für die entwickelten Märkte, wohingegen sich die Rating-Qualität von Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern im dritten Jahr in Folge verbessert hat. Insgesamt wurden 18 Defaults vermeldet, ebenfalls ein Anstieg gegenüber den 12 Ausfällen im Vorjahr. Allerdings waren alle Defaults bereits vor Jahresbeginn mit Non-Investment Grade Ratings versehen. Beim Ausblick überwiegt wie bei den Staatsanleihen die negative Tendenz.
Quelle: Fitch
Erklärungen für die langfristig negative Entwicklung der Ratings liefert das Credit Research der LBBW in einer aktuellen Analyse. Anhand des Rating Drifts, also der Differenz von Upgrades zu Downgrades ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl der Ratings, zeigen die Autoren auf, dass der negative Trend bereits seit Ende der 90er Jahre anhält. Zwar verläuft der Rating Drift stark zyklisch, wodurch der langfristige Trend von kurzfristigen Entwicklungen überlagert wird, aber die Verschlechterung ist trotzdem deutlich erkennbar.
Entwicklung des Rating-Drifts der von Moody’s gecoverten internationalen Corporates
Quelle: LBBW
Maßgeblich bestimmt wird der Rating Drift zurzeit durch die Entwicklung der Financials, die in der Finanzkrise und der Euro-Krise besonders unter Druck geraten sind. Als Ursache der langfristig negativen Tendenz insgesamt vermutet die LBBW zudem, dass Ratings von Unternehmen zu besonders günstigen Zeitpunkten angefordert werden. Durch den hohen Einfluss von Cashflows auf die Ratings, korrelieren diese mit dem Konjunkturzyklus. Die Wahl eines günstigen Einstiegszeitpunktes an der Spitze der Konjunktur führt somit zu einem zyklusbedingten negativen Rating Drift. Seit 2012 ist die Entwicklung des Rating Drift in den USA und Europa zudem leicht verschieden, maßgeblich bestimmt durch die Verschlechterung von Financials Ratings in der Euro-Zone.