04.08.2011 | Märkte

Analysen zur Überschuldung in den entwickelten Staaten

Am 20. Juli hat die Ratingagentur Fitch ihren Ausblick für den globalen Kreditmarkt veröffentlicht. Demzufolge wird das aktuelle Marktgeschehen im Wesentlichen von makroökonomischen Entwicklungen bestimmt. Der zögerliche Umgang der europäischen Politik mit der Schuldenkrise, sowie die Debatte in den USA um die Anhebung der Schuldengrenze sorgen außerdem  für zusätzliche Volatilität in den Märkten. Den globalen Aufschwung führt Fitch vor allem auf die Dynamik in den Schwellenländern zurück. Die Erdbebenkatastrophe in Japan und der hohe Ölpreis trüben die Wachstumsaussichten nur kurzfristig. Für die Entwicklung in der mittleren bis langen Frist seien die fiskalischen Risiken in den entwickelten Ländern von zentraler Bedeutung.


Quelle: Fitch

Die privatwirtschaftliche Entwicklung ist in hohem Maße von der Ansteckungsgefahr aus dem öffentlichen Sektor abhängig. Für den Unternehmenssektor ist weiterhin moderates bis starkes Wachstum durch das Geschäft in den Schwellenländern zu erwarten, auch wenn dort die Gefahr der Überhitzung steigt. In den Peripheriestaaten der Eurozone sieht Fitch die Kreditwürdigkeit einzelner Unternehmen durch die Gemeinschaftswährung weniger stark mit der Bonität des Staates verbunden. Bei einem Downgrade eines Staates sei es durchaus denkbar, einen Teil der inländischen Unternehmen höher als das neue Länderrating zu bewerten, so Fitch. Auch dem Versicherungs- und Bankensektor stellt die Ratingagentur insgesamt eine zunehmende Performance-Stabilisierung aus. Das Hauptrisiko droht auch hier aus der europäischen Schuldenkrise und einem Überschwappen auf den Finanzsektor.


Quelle: Fitch

Mit der Entwicklung der öffentlichen Verschuldung beschäftigt sich auch ein Report der Research-Abteilung der Deutschen Bank vom 6. Juli. Darin beschreiben die Autoren die besorgniserregende Neuverschuldung in den entwickelten Staaten nach der Krise und zeichnen mögliche Szenarien für die Entwicklung bis 2020. Die durchschnittliche Schuldenquote in Europa, Nordamerika und Japan ist demzufolge von 77 % in 2007 auf 104 % in 2010 gewachsen. Damit wächst die Gefahr, dass Staatsfinanzen nicht nur in der Eurozonen-Peripherie sondern auch in diesen Staaten in Zukunft nicht mehr tragbar sind.


Quelle: Deutsche Bank

Die Autoren leiten dazu in einem Baseline-Szenario her, dass selbst bei konsolidierender Fiskalpolitik die durchschnittliche Schuldenquote bis 2020 auf 126 % steigen würde. Misslingt ein nachhaltiger Ausgleich der öffentlichen Haushalte könnte die Verschuldung sogar auf 150 % ansteigen. Selbst im optimistischen Szenario mit starkem Wachstum liegt die Verschuldung in zehn Jahren noch bei knapp über 100 % der Wirtschaftleistung. Mittelfristig muss, so die Deutsche Bank, dringend eine Anpassung der Fiskalpolitik stattfinden, um die Verschuldung auf ein tragbares Niveau zurückzuführen.

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