Analyse potentieller Systemrisiken von Hedgefonds
Im Herbst 2010 erschien eine wissenschaftliche Arbeit der Universitäten North Carolina und Pennsylvania, die die Rolle von Hedgefonds während der Finanzkrise untersucht. Hedgefonds wurden Ziel von Kritik verschiedener Seiten. Zum einen wegen des Vorwurfs, durch umfangreiche Leerverkäufe zur Erosion von Asset-Preisen beigetragen zu haben. Zum anderen durch hohen Einsatz von Fremdkapital, der bei Verknappung der Liquidität zu Beginn der Krise zu Notverkäufen und somit ebenfalls zu stark fallenden Preisen geführt habe.
Für ihre Untersuchung der systemischen Bedeutung von Hedgefonds verwenden die Autoren einen Datensatz von 300 Fonds, die teilweise sehr hohe Volumen ausweisen und nicht an Datenbanken berichten.
Quelle: Brown, Green, Hand (2010)
Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Betrachtung abnormaler Renditen. Für die Leerverkäufe, sog. Bear Raids, lassen sich keine Anhaltspunkte finden. Im Fall der Notverkäufe finden die Autoren negative abnormale Renditen bei Strategien mit hohem Leverage, wie Convertible und Fixed Income Arbitrage. Allerdings weisen die entsprechenden Fonds sehr unterschiedliche Ergebnisse aus.
Quelle: Brown, Green, Hand (2010)
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Hedgefonds keinen nachweisbare Verschärfung der Krise verursacht haben, verweisen allerdings auch auf die eingeschränkte Datenverfügbarkeit von Hedgefonds. Es sei grundsätzlich möglich, dass einzelne Fonds systemische Bedeutung haben, jedoch werde diese nicht durch die neu eingeführten Aufsichtsmethoden von Transparenz- und Berichtspflichten aufgedeckt. Um systemische Risiken effektiv aufzudecken, müssten Aufsichtsbehörden zunächst feststellen, wann Hedgefonds systemrelevant sein könnten und daraufhin Methoden entwickeln, diese Risiken zu identifizieren.