26.08.2015 | Märkte

Allianz: Schuldenabbau in der Niedrigzinsphase

Die Allianz hat in einer aktuellen Publikation das Schuldensenkungspotential der Niedrigzinspolitik untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass niedrige Zinsen allein nicht ausreichen um die Schuldenquote der Euroländer langfristig zu senken.
Es wurde analysiert, ob die niedrigen Zinsen eine Senkung der Schuldenquoten der Euroländer durch den Effekt des "Herauswachsens" ermöglichen. Zu diesem Zweck untersuchen die Autoren 3 Szenarien unter der Annahme eines ausgeglichenen Primärhaushalts und einer leichten Erhöhung der Zinsen bis 2030. Im Szenario mit einer Inflationsrate, die dem angestrebten Wert von 2 % entspricht, ist es keinem Land der Eurozone möglich, eine Senkung der Schuldenquote zu erreichen. In den meisten Fällen stagniert sie und steigt später sogar wieder an. In den anderen Szenarien wird eine erhöhte Inflationsrate von 4 % bzw. 6 % angenommen. In diesem Fall wäre es möglich, die Schuldenquoten unter die im Maastrichter Vertrag geforderte 60 %-Grenze zu senken. In Deutschland würde die Grenze bei einer Inflationsrate von 4 % bis 2021 erreicht werden. In der gesamten Eurozone wäre dies bis 2032 möglich, während es in Italien deutlich länger dauern würde.


Quelle: Allianz

Eine derart hohe Inflationsrate würde allerdings gegen das Stabilitätsmandat der EZB verstoßen und erscheint deshalb wenig wahrscheinlich. Des Weiteren würde eine hohe Inflation die Refinanzierungskosten steigern, was den Schuldenabbau negativ beeinflussen würde. Als verbleibende Möglichkeiten sehen die Autoren nur einen Wirtschaftsboom, den sie allerdings für unwahrscheinlich halten oder die Generierung von Primärüberschüssen. Ein Primärüberschuss von einem Prozent mit einer Inflationsrate von 2 % würde ausreichen, um 2022 in Deutschland eine Schuldenquote von weniger als 60 % zu erreichen.

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