ALFI Frühjahrskonferenz und Studie von Lipper zur Fondsindustrie
Der Finanzplatz Luxembourg will sich - auch als Reaktion auf die Finanzkrise - zukünftig stärker an den Bedürfnissen der Investoren ausrichten. Entsprechend stand die von dem Luxemburger Fondsverband ALFI (Association Luxembourgeoise des Fonds d’Investissement) organisierte Frühjahrskonferenz am 23. und 24.3.2010 unter dem Thema "Focus on the Investor".
Im Rahmen der Veranstaltung wurde die von Lipper FMI erstellte Studie zur grenzüberschreitenden Fondsindustrie in Europa vorgestellt ("Symbiosis in the evolution of UCITS"). Die 60 seitige Untersuchung zeigt das Marktwachstum der Fondsindustrie seit ihren Anfängen 1988, analysiert das Zukunftspotenzial der Industrie und beleuchtet, wie der Fondsstandort Luxemburg durch diese Entwicklungen wachsen kann. Luxemburg hat die Finanzkrise vergleichsweise gut durchgestanden und konnte sich als bedeutender Standort für den grenzüberschreitenden Fondsvertrieb behaupten.
Domicile of Cross-Border Funds (Dec 2009)
Quelle: Lipper FMI 2010
Die Beliebtheit der UCITS-Fonds wächst, auch im außereuropäischen Raum. Dem trägt die ALFI u. a. mit der in diesem Jahr geplanten Eröffnung einer Repräsentanz in Hongkong Rechnung. Weitere Schwerpunkte des Verbandes sieht Claude Kremer, Präsident der Alfi, in der aktiven Begleitung von Gesetzen und Direktiven, z. B. der EU-Fondsrichtlinie Ucits-IV, die den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern und den Anlegerschutz erhöhen soll. Wesentlich sei eine schnelle Umsetzung, um die Vorreiterrolle im Fondsgeschäft behaupten zu können. Schließlich gelte es bei der Produktentwicklung vorne zu sein. Neben der Werbung für Spezialitäten sollen Nischen ausgebaut werden, die sich an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten, beispielsweise der steuerliche Rahmen für islamische Finanzprodukte, das Angebot im Bereich Mikrofinanz-Fonds oder Nachhaltigkeit. Dem Thema Mikrofinanz wurde im Rahmen eines dritten Konferenztages Rechnung getragen. (http://www.alfi.lu/conferences-training/conferences/alfi-microfinance-conference).
Zur Förderung eines besseren Verständnisses zwischen Fondsanbietern und Endkunden hat ALFI ein Investor Centre auf seiner Homepage eingerichtet, das den Informationsbedürfnissen verschiedener Investorengruppen Rechnung tragen soll (http://www.alfi.lu/investor-center).
Hinsichtlich der Aussichten für Luxembourg kommt Lipper FMI in der o.g. Studie zu dem Ergebnis, dass die Fondsindustrie in den kommenden fünf Jahren eine verhaltene jährliche Wachstumsrate von durchschnittlich 6,8 Prozent aufweisen wird, was im Vergleich mit den Zuwachsraten von zwölf Prozent seit Anfang der 1990er Jahre einen signifikanten Rückgang bedeutet. Ursächlich sei u.a., dass die Zuwächse aufgrund der erreichten Marktgröße künftig geringer ausfallen werden und eine schwache Konjunkturentwicklung gegenwärtig die Wachstumsdynamik bremse.
Growth of cross-border business by source of assets
Quelle: Lipper FMI 2010
Die Studie untersucht die wesentlichen Faktoren, die die europäische Fondsindustrie bestimmen werden. Dazu zählen die veränderte Rolle der Banken - von Fondsentwicklern hin zum Fondsvertrieb -, die zunehmende Bedeutung der offenen Architektur sowie die Veränderungen hinsichtlich der Bedeutung von grenzüberschreitenden Märkten. So zeigt die Studie, dass die Schweiz, Italien und Deutschland die größten europäischen Märkte bei grenzüberschreitenden Fonds sind.
Die Untersuchung von Lipper rechnet mit einem Anstieg des in Luxemburg verwalteten Fondsvolumens auf 2,6 Billionen Euro bis zum Jahr 2014. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von durchschnittlich 10,4 %. Der Marktanteil Luxemburgs am europäischen Fondsvolumen steigt im selben Zeitraum von derzeit 32 Prozent auf 38 Prozent. Dies bedeutet für den Fondsstandort Luxemburg einen Anstieg des verwalteten Vermögens um eine Billion Euro in den nächsten fünf Jahren.
Im Rahmen der Studie wurden darüber hinaus zukünftige Chancen und Risiken der europäischen Fondsindustrie untersucht. Erwartet werden Wachstumsimpulse durch die internationale Verbreitung des UCITS-Formats, inklusive Asien und Lateinamerika. Analysiert wurden zudem die Auswirkungen der wachsenden Segments der Exchange Traded Funds (ETFS), die langfristigen Veränderungen bei der Altersversorgung sowie die Entwicklung der alternativen Anlageformen im UCITS-Mantel ("Newcits").