26.11.2024 | Research

Additionalität von Green Bonds

Ein Kernaspekt von Green Bonds ist, dass die aufgenommenen Mittel für umweltfreundliche Projekte mit zusätzlichem Nutzen („Additionalität“) verwendet werden sollen. Pauline Lam und Jeffrey Wurgler von der NYU Stern School of Business untersuchen in einem Research Paper die tatsächliche Mittelverwendung eines Samples von US-amerikanischen Green Bonds (Erstemissionen), die von Unternehmen und Kommunen lanciert wurden. Es zeigt sich, dass nahezu sämtliche aufgenommenen Mittel nicht im Sinne der Additionalität investiert werden. Vielmehr werden zu einem großen Teil bestehende Schulden refinanziert: 30 % der Unternehmensanleihen und 45 % der kommunalen Anleihen dienen diesem Zweck. Lediglich etwa 2 % der Anleihenerlöse finanzieren tatsächlich neue Projekte mit einem zusätzlichem Umweltbeitrag. Der Rest der Mittel fließt in bereits bestehende Projekte oder in neue Projekte, die bisherigen Projekten ähneln. Diese hätten folglich auch mit anderen Finanzierungsformen durchgeführt werden können. Die Ergebnisse sind unabhängig vom Sektor und davon, ob es sich um große oder kleine Emissionen handelt.

Allocation of green bond proceeds across project additionality levels


Quelle: Lam, Wurgler, 2024

Im zweiten Schritt untersuchen die Autoren, ob Investoren Unterschiede zwischen Anleihen mit höherer und geringerer Additionalität machen. Dies ist offenbar nicht der Fall: Es ließ sich kein Zusammenhang zwischen Additionalität und Rendite feststellen. Weiterhin gibt es keine größere Reaktion des Aktienmarktes auf die Emission einer „grüneren“ Anleihe. Auch machen die Anbieter von Green-Bond-Indizes keinen Unterschied hinsichtlich dem Additionlitätsgrad – ähnlich wie Green Bond ETFs und klassische Investmentfonds. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der grüne Anleihemarkt in den USA oft mehr als Marketinginstrument genutzt wird, um Investoren anzusprechen, anstatt tatsächlich neue umweltfreundliche Projekte zu fördern.


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