04.05.2026 | Research

Geopolitische hybride Schocks als Treiber wirtschaftlicher Abschwächung

Geopolitische, hybride Schocks dämpfen vor allem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, indem sie Unsicherheit erhöhen, Vertrauen reduzieren und Finanzierungsbedingungen verschärfen, zeigt ein Discussion Paper von Norbert Metiu und Martin Völpel von der Deutschen Bundesbank. Hybride Bedrohungen umfassen nicht-militärische und verdeckte Aktivitäten wie Cyberangriffe, Sabotage, Spionage, wirtschaftlichen Zwang und Desinformation, die geopolitische Ziele verfolgen. Die Autoren entwickeln zur Messung hybrider Bedrohungen einen Index auf Basis von Berichten in zehn großen englischsprachigen Zeitungen im Zeitraum 1985 bis 2025. Der Index basiert auf der Häufigkeit spezifischer Begriffe in den fünf Kategorien Kriegsführung, Spionage, Sabotage, wirtschaftlicher und politischer Zwang sowie Desinformation und misst den Anteil der entsprechenden Artikel an allen Artikeln.

Hybride Bedrohungen waren im Kalten Krieg erhöht, gingen in den 1990er-Jahren zurück und blieben in den 2000ern moderat. Seit 2014 steigen sie jedoch deutlich an, getrieben durch Cyberangriffe, Desinformation und geopolitische Spannungen, mit einem Höhepunkt im Umfeld des Ukraine-Kriegs.


Quelle: Metiu, Völpel, 2026

Weiterhin wird untersucht, welche makroökonomischen Auswirkungen Schocks durch hybride Bedrohungen haben und über welche Kanäle diese Effekte wirken. Zur empirischen Analyse wird ein strukturelles VAR-Modell verwendet. Die Schätzung erfolgt mit US-Daten von 1986 bis 2025 auf Quartalsbasis. Ein exogener Anstieg hybrider Bedrohungen führt zu einem Rückgang von Investitionen, Arbeitsstunden, Aktienkursen und Preisen sowie zu steigender Unsicherheit und insgesamt restriktiveren Finanzierungsbedingungen. Dabei verläuft der Übertragungsmechanismus über sinkendes Vertrauen, steigende makroökonomische und finanzielle Unsicherheit, verschärfte Kreditbedingungen sowie höhere Verteidigungsausgaben und Staatsverschuldung, was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zusätzlich dämpft. Damit erweisen sich hybride Bedrohungen makroökonomisch vor allem als Unsicherheitsschocks, die die Nachfrage dämpfen und weniger über Angebotsstörungen wirken.


Quelle: Metiu, Völpel, 2026

 

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