Absolut zu "short"...
...gedacht sind die Argumente derer, die versuchen, die Schuld der
massiven Kursverluste an den Aktienmärkten den Short-Sellern und damit
vielfach den Hedge Fund-Managern in die Schuhe zu schieben. Nachdem die
Blase an den Aktienmärkten weiter auf Raten platzt und die Kursverluste
selbst etablierter Aktiengesellschaften nie für möglich gehaltene
Dimensionen angenommen haben, stehen nun diejenigen im Verdacht, die dav
on möglicherweise profitiert haben. Wenn "viele" verlieren und "wenige"
gewinnen, sind letztere nicht die "Schlauen", sondern die "Dummen",
denen das Handwerk gelegt werden muss. Dabei haben gerade die "Dummen"
das Kapital ihrer Investoren vor hohen Verlusten schützen können. Dass
Short-Selling nur einen kleinen Anteil am gesamten Handelsvolumen
ausmacht (die FSA schätzt für Großbritannien ca. 2 %), dass auf
Aktienstrategien ausgerichtete Hedge Funds trotzdem mehr Kauf- als
Verkaufspositionen im Portfolio haben, dass die Erträge dieser Fonds in
den letzten Monaten weit hinter den Ergebnissen der Vergangenheit
zurückgeblieben sind und dass reine Short-Selling Hedge-Funds über Jahre
nichts verdient haben und mehr als Put-Option fungierten, wird kaum
betrachtet. Auch nicht die Fähigkeit der Hedge Funds, über Short-Selling
die Liquidität an den Märkten zu steigern, Preisverzerrungen
entgegenzuwirken und die Volatilität zu verringern. Ausgerechnet die
Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre stellt sich, in einem
bemerkenswerten Editorial von Markus Straub, hinter die Hedge Funds.
Nicht so einige institutionelle Anleger. Zwei der weltweit größten Pensionskassen in Holland beschlossen, keine Wertpapiere mehr für Short-Sales zu verleihen. Interessanterweise haben sie noch vor ein paar Monaten angekündigt, Hedge Funds mit in die Asset-Allokation zu integrieren, um deren Diversifikationsmöglichkeiten zu nutzen, die auch auf dem Shorten basiert. Wieso? Es ist ein Politikum, wenn die Vorstände der Pensionskassen vor ihren Anlegern rechtfertigen müssen, warum sie den Short-Sellern ihre Aktien für ein Butterbrot verleihen, die dann ein Vielfaches an weiteren Kursverlusten über den Verkauf der Aktien bewirken. Die wichtige Kapitalmarktfunktion von Short-Selling läßt sich dem kleinen Sparer nicht in Kürze vermitteln, wenn der seine Altersvorsorge schwinden sieht und die öffentliche Meinung die Short-Seller mit verantwortlich macht. Daher ist diese Reaktion emotional verständlich. Rationell ist sie nicht. Erst wenn noch mehr Investoren die Vorteile von flexibleren Anlagestrategie in Form von Hedge Funds erkennen und einsetzen, wird die Kritik differenzierter werden. An Marktverwerfungen durch Short- Sales hat auch die Hedge Fund-Industrie kein Interesse, dafür lebt sie von steigenden Kursen viel zu gut.
Ihr Michael Busack
Herausgeber
Ausgabe: Absolut|report 6|2002
Nicht so einige institutionelle Anleger. Zwei der weltweit größten Pensionskassen in Holland beschlossen, keine Wertpapiere mehr für Short-Sales zu verleihen. Interessanterweise haben sie noch vor ein paar Monaten angekündigt, Hedge Funds mit in die Asset-Allokation zu integrieren, um deren Diversifikationsmöglichkeiten zu nutzen, die auch auf dem Shorten basiert. Wieso? Es ist ein Politikum, wenn die Vorstände der Pensionskassen vor ihren Anlegern rechtfertigen müssen, warum sie den Short-Sellern ihre Aktien für ein Butterbrot verleihen, die dann ein Vielfaches an weiteren Kursverlusten über den Verkauf der Aktien bewirken. Die wichtige Kapitalmarktfunktion von Short-Selling läßt sich dem kleinen Sparer nicht in Kürze vermitteln, wenn der seine Altersvorsorge schwinden sieht und die öffentliche Meinung die Short-Seller mit verantwortlich macht. Daher ist diese Reaktion emotional verständlich. Rationell ist sie nicht. Erst wenn noch mehr Investoren die Vorteile von flexibleren Anlagestrategie in Form von Hedge Funds erkennen und einsetzen, wird die Kritik differenzierter werden. An Marktverwerfungen durch Short- Sales hat auch die Hedge Fund-Industrie kein Interesse, dafür lebt sie von steigenden Kursen viel zu gut.
Ihr Michael Busack
Herausgeber
Ausgabe: Absolut|report 6|2002