Absolut verschoben ...

Absolut|report 5|2012}
… wird nun nach langem Hin und Her die Einführung von Solvency II. Zum Glück, kann man sagen. Nicht, weil die Idee der risikobasierten Eigenkapitalunterlegung falsch ist. Im Gegenteil. Sondern weil dieser regulatorische Rahmen zu einer Zeit entwickelt wurde, als die Lage an den Kapitalmärkten noch in Ordnung schien.

Nach der Finanzkrise hat sich die Welt um 180 Grad gedreht. Dass die Zeit nach dem 11.9.2001 mit exzessiver Liquidität nicht wirklich „in Ordnung“ war und zu viel zu niedrigen Risikoprämien und Wucherungen der Finanzindustrie geführt hat, muss kaum noch erwähnt werden.

Nun aber, nach den Ergebnissen der letzten quantitativen Auswirkungsstudien (QIS) im Versicherungsbereich und der intensiven Folgenanalyse für die Asset-Liability-Struktur und die Lenkungswirkung für die institutionelle Kapitalanlage, hatte die Politik ein Einsehen. So geht es nicht und so kann es nicht gehen, will man die wichtigsten langfristigen Investoren nicht vollends zu Staatsfinanzierern und passiven Angsthaseninvestoren machen. Das Haus der klassischen Asset Allocation ist zusammengebrochen und es ist fraglich, ob mancher Investor es in der Kälte der Märkte so lange aushält, bis sein Heim wiederhergestellt ist. Ich glaube nicht, dass sich ein Warten darauf lohnt. Stattdessen sollten neue Wege beschritten werden und die Chancen und neuen Möglichkeiten an den Kapitalmärkten genutzt werden.

Dr. Joachim Faber, ehemaliger Vorstand der Allianz, gibt 10 Jahre nach seinem Interview mit dem Absolut|report zum Thema Alternative Investments in unserer Rubrik „3 Fragen an“ Hinweise, wohin die Reise gehen sollte.

Die Stimmung an den Finanzmärkten nach dem Draghi-Put ist ruhiger geworden: Ich glaube, es ist nicht nur eine trügerische Ruhe, sondern endlich eine Zeit, wieder den Kopf einzuschalten und alle Hausaufgaben zu machen. Bürger, Staaten und Investoren zusammen können es schaffen, die Welt wieder in Balance zu bringen. Nicht morgen, schon gar nicht in Millisekunden, aber mittel- bis langfristig. Dazu müssen auch wieder Risiken eingegangen werden. Richtig und diversifiziert.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 5|2012