Absolut verschwommen ...

Absolut|report 5|2011}
… wirken die Aktionen der Politik auf die aktuelle Finanzmarkt- und Staatsschulden-Krise für institutionelle Investoren: Gibt es neue Regeln für Banken oder nicht? Gibt es Hilfe für die verschuldeten Länder oder nicht? Reicht der Rettungsschirm oder nicht? Kommt Solvency II so oder anders? Werden CDS und Leerverkäufe verboten oder nicht? Soll man sich auf Ratings verlassen oder nicht? Fragen über Fragen. Institutionelle Investoren stehen vor der großen Herausforderung, nicht nur diese politischen und regulatorischen Aspekte berücksichtigen zu müssen, sondern gleichzeitig das schleichende Gift der niedrigen Zinsen und die hohe Marktvolatilität in allen Asset-Klassen in absolute Erträge umzusetzen. Diese Performance, die notwendig ist, um die laufenden Verpflichtungen zu decken, muss bei ca. 3,5 % liegen und ist mit Staatsanleihen aus Deutschland nicht mehr zu erzielen.

Was nun? Die Politik muss klare Regeln setzen und das Damoklesschwert der Staatsanleihen-Pleite beseitigen. Institutionelle Investoren sollten nicht nur die deutschen Defizite finanzieren, sondern müssen auch die anderen europäischen Länder als Investmentoption haben. Wir Europäer können es uns nicht leisten, uns in Zeiten einer dramatischen globalen Veränderung der Wirtschaftsleistung und des Wirtschaftswachstums und einer enormen demografischen Verschiebung das Wasser selber abzugraben.

Es ist Zeit, zu erkennen, dass wir insbesondere in Europa in einem Boot sitzen, welches nur eine gleichmäßige Belastung aushält, nicht aber eine dauerhaft schiefe. Mit Ungleichgewichten kommen wir nicht durch den Sturm, der auf Europa zukommt, wenn die Investmentkapazitäten in Deutschland erschöpft sind und das Geld statt in Europa nur noch in den Emerging Markets investiert wird. Für institutionelle Investoren ist die Welt ein Dorf. Das Kapital kann wandern, aber es darf nicht ganz aus Europa verschwinden. So wie wir Transferleistungen in andere Bundesländer akzeptieren und als richtig empfinden, so müssen wir uns jetzt auch als Europäer fühlen. Das könnte die Aufgabe unserer Generation sein. Bis unsere Kinder vielleicht eine Rolle als Weltbürger einnehmen.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 5|2011