Absolut chinesisch...

Absolut|report 4|2015}
… kommen einem manchmal Marktbewegungen vor, wenn Aktienindizes an einem Tag bis zu 7% verlieren, um am nächsten Tag wieder ins Positive zu drehen. Aber irgendwie haben wir solche Turbulenzen auch erwartet, und leider werden sie auch in Zukunft vorkommen. So führen uns die Märkte in den letzten Tagen wieder einmal vor Augen, welche Kraft die Masse hat, wenn alle durch eine Tür wollen. Ich habe auf dieses Liquiditätsrisiko in den letzten Ausgaben mehrfach abgestellt. Insbesondere den Bond-Bereich kann es noch viel schlimmer treffen, weil hier die Liquidität vor allem in den höher rentierlichen Titeln sehr gering ist.

Grundsätzlich ist die geringe Volatilität an den Märkten in den letzten Jahren und Monaten unnatürlich und dies birgt die Gefahr, Investoren vergessen zu lassen, was alles passieren kann. In der Vergangenheit sind es vor allem die Aktienrisiken gewesen, derer man sich entledigt hat. Den Credit-Investments können institutionelle Investoren sich aber nicht entziehen. Hier drohen nun – nicht nur wegen der niedrigen Wiederanlagezinsen – die größten Gefahren auf einer „mark-to-market“-Basis. Die jüngsten Turbulenzen sind daher ein guter Weckruf, der einer allzu großen Sorglosigkeit vorbeugen sollte. Trotz aller Interventionen der Zentralbanken, die immer mehr zu der wichtigsten Preisbildungsquelle werden, sollten institutionelle Investoren die Portfoliostruktur nach und nach über mehr Diversifikation stabiler und marktunabhängiger gestalten.

Die Diversifikation über Asset-Klassen als reiner „long-only/buy and hold“-Ansatz wird nicht ausreichen, die Risikobudgets einzuhalten, und muss zwangsläufig Asset-Klassen ausschließen, wie man es im VAG-Bereich bei Aktieninvestments sieht. Anlagestrategien, die Marktverluste abfedern, mehr Marktneutralität ins Portfolio bringen und vor allem auch im Credit-Portfolio helfen, im Krisenfall eine ruhige Hand zu behalten, sollten aufgebaut werden. Diversifikation und eine innovative Portfoliostruktur sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Ob EU-Krise, Griechenland, Terrorismus, Krieg, China-Blase oder die Reaktionen der Zentralbanken, es wird in den kommenden Monaten und Jahren weitere unerwartete Einflüsse auf die Märkte geben, denen sich institutionelle Investoren stellen müssen.

Im aktuellen Absolut|report finden Sie dazu eine vielfältige Kombination innovativer Ideen von führenden Experten.

Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 4|2015