Absolut verändert...

Absolut|report 4|2013}
… hat sich nicht nur unser Logo, sondern – was viel wichtiger, aber nicht so schön ist – auch eine wesentliche Anforderung an alle institutionellen Investoren. Im Rundschreiben vom 28. Juni fordert die BaFin Versicherungen und Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge auf, zukünftig selbst die Bonität von Unternehmen oder Finanzinstrumenten zu prüfen und zu bewerten. Vorher galt ein „kann“. Damit darf sich die Anlagepolitik zukünftig nicht mehr ausschließlich auf externe Ratings stützen. Die zugrunde liegende EU-Verordnung über Ratingagenturen schreibt vor, dass Ratings der anerkannten Agenturen in Verträgen künftig nicht als einziger Parameter für die Bewertung eines Investments zulässig sein sollen.

Bei den Investoren war die Überraschung vor der Sommerpause groß, stellt dies doch eine extreme Wendung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen dar. Welche Folgen ergeben sich für die institutionelle Kapitalanlage, die insbesondere in Deutschland durchzogen ist von Anleihen- und Kreditprodukten? Vermutlich werden viele kleinere institutionelle Investoren nicht in der Lage sein, eigene Kreditrisikobewertungen durchzuführen, weil schlicht die Kompetenz fehlt bzw. erst kostenintensiv aufgebaut werden müsste.

Die Frage ist, ob die Kosten für einen ansatzweise den globalen Ratingagenturen entsprechenden Bewertungsprozess zu rechtfertigen sind. Anderenfalls könnten im Ergebnis die eigenen Bewertungen eher als Alibi dienen und lediglich die Ratings der Agenturen bestätigen. Wer stellt sich schon gegen die Krediteinschätzung von S&P und Moody's?

Fraglich ist auch, ob es Sinn macht, dass alle Investoren ein eigenes System entwickeln und die Gesamtkosten dann auf den Sparer übertragen werden, der ohnehin unter den niedrigen Renditen der „financial depression“ leidet. Es ist sinnvoll, externe Ratings nicht ausschließlich als Trigger für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen zu verwenden, die Umsetzung bleibt schwierig.

Eine wahrscheinliche Reaktion der Investoren wird sein, Direktinvestments in Credit- Produkte nur noch über Asset-Manager- und Fonds-Lösungen abzuwickeln. Für die Asset- Management-Industrie eine gute Nachricht, für institutionelle Investoren kostensteigernd. Allerdings ist diese Veränderung verbunden mit der Chance die führenden Manager zu engagieren und die Performance zu optimieren.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 4|2013