Absolut hochfrequent ...

Absolut|report 4|2012}
… geht es nicht nur im täglichen modernen Leben zu, sondern auch an den Finanzmärkten: In den letzten Jahren scheinen wir uns immer weiter weg von einem fundamentalen Entscheidungsrahmen, hin zu einer technisch dominierten Handelswelt zu entwickeln. Die aktuelle Diskussion zum Hochfrequenzhandel ist nach den diversen Flash-Crashs mit absurden Preissprüngen und Bewertungen absolut notwendig.

Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die über öffentliche Märkte abgewickelten Preisbildungsprozesse nicht vor einem auf reiner EDV beruhenden Order-Wahnsinn beschützt werden sollten. Vor allem institutionelle Investoren in Deutschland ziehen sich aus dem Aktienmarkt zurück.

Die unkalkulierbaren Risiken, die täglichen Volatilitäten und die Preisspannen sind jenseits jeder Risikotragfähigkeit. Sicher, nicht der Hochfrequenzhandel allein ist Schuld an dieser Entwicklung. Es sind auch das Herdenverhalten und die engen Risikobudgets, die schnell zu kurzfristigen Handelsentscheidungen führen. Aber wird nicht genau dies durch die Technisierung der Märkte weiter befördert? Wozu es gut sein soll, dass Handelstransaktionen im Millisekundenbereich erteilt werden bzw. der Markt mit tausenden von Schein- Orders vernebelt wird, wird wohl nur ein Hochfrequenzhändler selber erklären können.

Welche Aufsicht kann im Nachgang hundertausende von Trades korrekt analysieren und Fehlverhalten zuordnen? Wir müssen uns in Zeiten einer in Teilen aus den Fugen geratenen, hoch technisierten Finanzindustrie und der damit einhergehenden Fragilität fragen, ob die Gefahren für die Öffentlichkeit im Fall einer außer Kontrolle geratenen Computertechnologie noch handhabbar sind.

Es kommt jetzt darauf an, Markttiefe, Liquidität und vor allem Marktintegrität der Public Markets zu fördern und in Teilen wiederherzustellen. Institutionelle Anleger sollten auf fundierte und längerfristige Anlagen in Produktivkapital und auf faire Preisbildungsprozesse vertrauen können.

Wir müssen jetzt gegensteuern und primär fundamentale Preisentscheidungen fördern. Dazu muss man nachdenken, und das braucht länger als eine Millisekunde. Hoffentlich!

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 4|2012