Absolut verquotet...

Absolut|report 4|2008}
... sind die Anlagevorschriften deutscher Versicherungen, und sie behindern eine effiziente Kapitalanlagepolitik im Sinne der Versicherten. Auch der aktuell diskutierte Entwurf der neuen Anlageverordnung verbessert die Situation nicht wesentlich. Die immer noch dominierenden Quoten führen weiterhin zu einer Verzerrung der Asset Allocation. Die Risikokapitalquote von 35%, die traditionell von Aktienanlagen dominiert war, kann immer weniger von den VAG-Investoren genutzt werden, obwohl es die Anlageverordnung erlauben würde. So gibt es Versicherungen ohne Aktieninvestments! Alternative Asset-Klassen hingegen sind mit so geringen Quoten versehen, dass sich der Aufwand für den Einstieg in eine neue Anlagekategorie mit Blick auf das Ergebnis kaum lohnt. Jeder professionelle Investor fragt sich daher, warum die Politik Quoten vorgibt, die einer effizienten Asset Allocation entgegenstehen.

Dramatische Verluste bis hin zur Gefährdung des Finanzsystems produzierten hingegen die bislang als sicher geltenden Immobilien- und Kreditmärkte, unter Mitwirkung der hochregulierten Banken und Investmentgesellschaften und der Ratingagenturen - nicht die Hedgefonds.

In einem aktuellen Handelsblatt-Artikel wiederholt Jürgen Meisch, Finanzvorstand der Gothaer Versicherung, seine Ansichten zum Thema Hedgefonds, wie er sie bereits vor der Krise in einem Interview mit dem Absolut|report (39/2007) geäußert hat: "Wir würden unsere Hedgefonds-Quote erhöhen, wenn wir könnten", betont Meisch erneut und verweist auf langjährige Erfahrungswerte, die gezeigt haben, dass die risikoreduzierenden Eigenschaften eines gut diversifizierten Hedgefonds-Portfolios für VAG-Investoren erzielbar sind.

In den USA und in Europa gehen führende Pensionskassen dazu über, ihre rein auf steigende Aktienkurse ausgerichteten, aktiv verwalteten Long-only-Mandate in passive Indexanlagen umzuschichten, die mit einem Alpha-Overlay unter Nutzung von Hedgefonds-Managern ergänzt werden. Andere ersetzen sie voll durch Long/Short-Equity-Strategien, da hier das Alpha der Manager, d. h. ihre Selektionsqualitäten, voll zum Tragen kommt. Gleichzeitig reduziert die Short- Komponente das Marktrisiko und kann so die für Investoren schmerzlichen Volatilitäten und Tail-Events reduzieren, die zu untragbaren Drawdowns führen und die Risikotragfähigkeit gefährden.

Fazit: Die Risikokapitalquote der Versicherungen sollte vollständig quotenfrei sein. Risiko kann nur getragen werden, wenn es diversifiziert werden kann, z. B. durch Multi-Asset-Klassen-Strategien, Risikobudgets und sinnvolle Stresstests. Hier müssen in der Politik und der Aufsicht nicht nur in Deutschland Scheuklappen und Vorurteile fallen. Sonst machen sich die Verantwortlichen vor den Versicherten schuldig, denen sie eine ausreichende Risikodiversifikation und bessere Performance vorenthalten. In einer Übergangsphase müssen die Quoten erweitert und flexibler gehandhabt werden. Absolut!

Ihr Michael Busack
Herausgeber



Ausgabe: Absolut|report 4|2008