Absolut überraschend...

Absolut|report 4|2007}
... war die Reaktion auf die Subprime-Krise nicht wirklich. Nur der Auslöser war es. Wie in meinem letzten Editorial schon angedeutet, war eine Korrektur an den Finanzmärkten fällig bzw. nötig, da die niedrigen Risikoprämien und die allgemein steigenden Kurse aller Asset-Klassen nicht ohne - zumindest temporäre - Störung so weitergehen konnte. Die Deutlichkeit der Krise aber ist eine Warnung an die Finanzmarktteilnehmer sich nicht zu sicher zu sein. Insbesondere wenn es um vermeintlich sichere Kapitalanlagen geht. Nicht Aktien und traditionelle Anleihen wurden hart getroffen, nicht so sehr Hedgefonds und Private Equity, sondern die immer stärker eingesetzten, teilweise als sehr sicher geltenden ABSProdukte. Hier wurde mit dem Siegel der Ratingagenturen alles gekauft, was nur einen minimalen Spread über Libor erzielen konnte.

Die sicher auch aus der Ertrags-Not geborene Arglosigkeit vieler Investoren hat zu einer extrem falschen Risikoeinschätzung geführt. So glaubte in einem relativ intransparenten Umfeld kein Marktteilnehmer mehr dem anderen, dass dessen Underlyings noch werthaltig seien. Die wahre Lektion der Krise aber ist, dass sich manche Risiken in Händen befinden, in die sie nicht gehören. IKB, SachsenLB und WestLB haben Kapitalmarktrisiken getragen, die weit über ihrer Tragfähigkeit und auch weit über ihren Kompetenzen lagen. Wenn ein Hedgefonds mit Risikokapital Investorengelder verliert, muss er nichts zurückzahlen, da die Investoren das Ausfallrisiko tragen und tragen können - wenn sie sich über Diversifikation abgesichert haben. Eine Bank dagegen arbeitet mit dem Geld ihrer Kunden, erzielt dabei aber nicht die Renditen, die Hedgefonds-Investoren erzielen können. Bankkunden erhalten 3-4 % Zinsen und vertrauen auf die Rückzahlung der angelegten Gelder, wie auch das Finanzsystem darauf vertraut, dass die Banken ihre Funktion erfüllen. Es ist nicht die Aufgabe der Banken Kapitalmarktrisiken zu tragen, deren Ausfall dann vom Steuerzahler kompensiert werden muss. Auch ein Investor, der in die Hedgefonds von Bear Stearns investiert hat, sollte sich nicht beschweren. Er ist bewusst dieses Risiko eingegangen. Andere Hedgefonds waren short im Subprime-Markt, hatten aber vorher viel verloren. So wendet sich das Blatt.

Eine weitere Lektion ist die Tatsache, dass Liquidität nicht immer gut ist. Bei Alternative Investments wird häufig kritisiert, dass sie nicht hoch genug sei. Der Wunsch nach Liquidität führt dazu, dass die Emotionen der Marktteilnehmer eins zu eins auf den immer stärker verflochtenen Kapitalmarkt übertragen werden. Viele Investoren würden mit weniger Liquidität besser fahren. Der Manager ist dann nicht im Zugzwang zu handeln, gerade wenn die fundamentalen Daten seines Investments noch stimmen. Weniger ist manchmal mehr.

Trotz der Krise stellte sich Jürgen Meisch, CIO der Gothaer Versicherung, in unserer neuen Rubrik Investoren-Interview unseren Fragen. Was er zu sagen hat, sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 4|2007