Absolut visionär...

Absolut|report 4|2005}
...erscheint es vielleicht heute noch, wenn proklamiert wird, dass die Anteile von Alternative Investments - Hedgefonds/Absolut Return-Strategien, Private Equity, Commodities, Asset Backed Securities - in absehbarer Zeit einen wesentlich größeren Teil der Asset Allocation ausmachen, als dies heute bei vielen Investoren der Fall ist. Warum? In Deutschland haben z. B. Versicherungen im Schnitt bislang weit weniger als 0,5 % in Hedgefonds investiert, wobei lt. BaFin-Jahresbericht 2004 der Anteil von Private Equity bei 0,25 % liegt und der von ABS und CLNs bei 1,08 %. Fakt ist aber auch, dass es in Deutschland institutionelle Investoren gibt, die schon mehr als die im Versicherungsaufsichtsgesetz zugelassenen 5 % in Hedgefonds (über die Öffnungsklausel) investiert haben und auch über weitere Investments nachdenken bzw. die Quote weiter ausbauen möchten. Dass das Thema die Industrie beschäftigt, sieht man auch daran, dass die erste Versicherungsgruppe - Talanx - sogar eigene Hedgefonds anbietet (s. das Interview mit Wilfried Wendt im Absolut|report Nr. 22) und auch die Meag mit einem Produkt demnächst an den Markt kommen wird. Auch die größte deutsche Versicherung investiert offiziell zwar nicht in Hedgefonds, dafür aber in Private Equity, hat aber mit ihrer Tochter Allianz Hedge Funds Partners seit geraumer Zeit eine eigene Einheit im Konzern.
Trotzdem sind die Anlagen in Alternative Investments von deutschen Institutionen, verglichen mit den Anteilen z. B. Schweizer Pensionskassen wie der Julius Bär- Pensionskasse (s. Leitartikel dieser Ausgabe), noch verschwindend gering, um auch nur ansatzweise das Risiko-Ertrags-Profil beeinflussen zu können. Geschweige denn sind die Anteile so groß wie bei den großen Stiftungen in den USA, wo die traditionellen Investments schon in der Minderheit sind. Dort gibt es Hedgefonds- und Private-Equity-Anteile am Portfolio, die jeweils mehr als 25 % betragen - und in Deutschland diskutiert man darüber, ob 5 % möglicherweise nicht schon genug sind.
Was kann die Zukunft bringen? Entscheidend ist nicht so sehr, dass man sofort zu einer hohen Allokation in allen Bereichen der Alternative Investments in Deutschland kommt. Relevant ist der Wille des Managements, der Verantwortlichen in der Kapitalanlage, der Aufsichtsbehörden bzw. des Gesetzgebers, den Weg gedanklich frei zu machen für eine neue Form der Asset Allocation, weg vom Zwei-Säulen-Modell (Aktien/Renten), hin zu einem Multi-Säulen-Modell, das ich als "Multi-Asset-/Strategie-Klassen-Modell" bezeichnen möchte. Deutschlands institutionelle Investoren, die die Verantwortung für das Vermögen vieler Bürger über Jahrzehnte übernommen haben und es für die Alterssicherung anlegen müssen, sind verpflichtet, diese Vermögen nicht nur nach alten Traditionen zu verwalten, sondern aktiv zu managen und sich neuester Erkenntnisse zu bedienen. Ich bin sicher, dass der Tag kommen wird, an dem die Versicherung oder der Asset-Manager bei "Finanztest" schlechte Noten bekommen wird, deren Anteil an Alternative Investments zu niedrig ist.


Ausgabe: Absolut|report 4|2005