Absolut unbemerkt ...

Absolut|report 3|2008}
... schleicht sich seit einigen Monaten die Erkenntnis ein, dass die Asset- Management-Industrie vor einem entscheidenden Wandel steht. Die Zeichen sind unverkennbar und der Zug nimmt Fahrt auf. Es geht um zwei Herausforderungen für institutionelle Investoren: 1. Die Notwendigkeit, stetige und attraktive Renditen zu erzielen. 2. Die Notwendigkeit zur Diversifikation, um die Risiken von Nr. 1 zu reduzieren. Der Wandel wird durch folgende Erkenntnisse verstärkt: 1. Traditionelle Investments können beide Herausforderungen nicht ausreichend unterstützen. 2. Die traditionelle, aktive Long-only-Industrie hat nach Kosten im Schnitt keinen Mehrwert geschaffen. 3. Führende institutionelle Investoren haben mit einer innovativen Asset Allocation Finanzkrisen besser überlebt und z. T. überragende Ergebnisse erzielt.

Wir sehen einen Wandel der Industrie in ein aktives und passives Asset- Management sowie einen Übergang zu Multi-Asset-Multi-Strategie-Portfolios unter Nutzung eines auf externe Manager fokussierten Best-of-Breed-Ansatzes. Wenn passive Exchange-Traded Funds der Deutschen Bank im ersten Quartal mehr Nettozuflüsse hatten als Deka, Universal, Union und DWS, dann stehen die Zeichen auf Veränderung, schließlich haben diese Produkte eigentlich (noch) keinen richtigen Vertrieb. Die Mittelzuflüsse in ETFs entstehen aus der Erkenntnis, dass ein Asset-Klassen-, Sektor- oder Markt-Exposure zu geringeren Kosten, sehr transparent und sicher über ETFs zu erhalten ist.

Andererseits können ETFs nicht das grundsätzliche Problem eines Long-only- Investment-Ansatzes beseitigen. Starke Volatilitäten der Asset-Klassen führen zu Risiken, die nicht gewünscht sind; das Problem der langfristigen Asset- Allocation wird weiter dem Investor überlassen, und Alpha kann in Kombination mit einem asymmetrischen Risikoprofil mit ETFs auch nicht erzielt werden. Hier kommen die Manager zum Einsatz, die aktive Investment- und Trading- Ansätze verfolgen und das gesamte Spektrum der modernen Finanzmarktprodukte nutzen können. Sie agieren als aktiver, denkender Gegenpart zur zunehmend passiven Verwaltung der Gelder. Investoren werden ihr Kapital wesentlich diversifizierter anlegen und entsprechend ihres Professionalisierungsgrades Entscheidungen zwischen teureren aktiven und günstigeren passiven Investments treffen (müssen).

Die Industrie wird sich dementsprechend entwickeln: Entweder in Richtung Alpha-Manager, der quasi zum Hedgefonds-Strategie-Anbieter mit allen Freiheitsgraden wird, oder in die passive Welt, die reines Asset-Klassen- Exposure bietet. Investoren auf der anderen Seite müssen Kompetenzen aufbauen, um ihre Allokation zu einem Multi-Asset-Klassen-Portfolio umzubauen und die aktiven Manager zu finden. Absolut komplex, aber unvermeidlich.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 3|2008