Absolut unerträglich...

Absolut|report 3|2005}
...ist nicht nur die Vorstellung, dass der Begriff "Heuschrecke" nun die gängige (Presse)-Bezeichnung für alle Hedgefonds- und Private-Equity-Manager sein könnte - auch sonst ist vieles von dem, was in den letzen acht Wochen gesagt und geschrieben wurde, an Ignoranz teilweise nicht zu überbieten gewesen. Alles fing damit an, dass die Hedgefonds plötzlich als die von Herrn Müntefering gebrandmarkten Investoren dastanden, obwohl der doch die Private-Equity-Industrie gemeint hatte. Viele Investoren und Marktteilnehmer in der Alternative-Investment-Industrie wissen das Gesagte entsprechend einzuschätzen. Jedoch gibt es einen Themen-Cocktail von Aspekten, der , zusammengerührt, die Industrie und vor allem die Hedgefonds-Industrie in die Defensive bringt.
Angestoßen durch die Kapitalismus-Kritik gab es grundsätzlich eine negative Stimmung von Seiten der Politik, die, von den Medien transportiert, natürlich breite Kreise gezogen hat. Daneben musste - und das ist sicher unglücklich - ausgerechnet ein Hedgefonds, nämlich TCI, sich medienwirksam mit dem deutschen Finanz-Establishment anlegen und gewann diesen Kampf auch noch. Dass die Angegriffenen sich wehren würden, war klar, und sie haben mit ihren exzellenten Kontakten in die Politik auch gleich einen Verbündeten gefunden. Seitdem hat die Hedgefonds- und Private-Equity-Branche auch die Wirtschaft gegen sich, die sich nun - sogar mit dem Bundeskanzler an der Spitze - international für eine stärkere Regulation von Hedgefonds einsetzen will. Nicht aus gutem Grund - sinnvolle Regulation ist für eine sich institutionalisierende Industrie notwendig -, sondern primär aus opportunistischen und egoistischen Gründen. Die Wirtschaft in Deutschland hat natürlich Angst, dass ihr mit den aktiven Investoren neue Gegenspieler entstehen, die mächtig sind und aktive Kauf- und Verkaufsentscheidungen treffen können.
Ebenfalls wird die negative Hedgefonds-Stimmung von manchen traditionellen Investoren angeheizt. Dass viel Geld in das Segment fließt, wird zunehmend in Zusammenhang mit der Performance gebracht, und gemeinhin entsteht der Eindruck, dass es mit der guten Performance aus sein könnte. Das ist natürlich so kaum richtig und die Industrie - in diesem Jahr mit unveränderter Performance - hat in der Historie schon wesentlich schlechtere Zeiten erlebt. Die Volatilität der Aktienmärkte und deren Drawdowns scheint mancher schon vergessen zu haben. Dieser negative Stimmungs-Mix aus Politik, Wirtschaft und Investoren wird nun von der Presse aufgegriffen - teils erschaffen - und in unterschiedlichsten Varianten durcheinandergewirbelt. All dies prägt aktuell ein Bild, welches dem notwenigen Umdenkungsprozess in Richtung zu mehr Diversifikation und hin zu Multi-Asset-Klassen-Portfolios sowie einem verbesserten Verständnis für alternative Investments im Wege steht. Diese Entwicklung kann jedoch nicht aufgehalten werden. Alternative Investments bleiben notweniger denn je.

Ihr Michael Busack
Herausgebe


Ausgabe: Absolut|report 3|2005