Absolut missverstanden...

Absolut|report 2|2006}
...werden in der Öffentlichkeit der Umfang und die Chancen von Hedgefonds- Investments in Deutschland. Während die Private-Equity-Industrie auf einer wahrgenommenen Welle des Erfolges schwimmt, kann der nicht vorgebildete Investor bei der Lektüre von Zeitungen und Magazinen den Eindruck gewinnen, dass die Hedgefonds-Industrie in Deutschland keinen Fuß auf den Boden bekommt, sich kein Investor für Hedgefonds interessiert und die Performance der Industrie und die verfügbaren Produkte nur von geringer Qualität sind. Woher kommt dieser Eindruck? Zum einen ist es von entscheidender Bedeutung zu unterscheiden zwischen der hiesigen Hedgefonds-Industrie, d. h. den hier aufgelegten Produkten auf Basis des Investmentgesetzes und den verfügbaren internationalen Hedgefonds-Produkten, die auf Basis strukturierter Produkte, wie z. B. Credit Linked Notes und Schuldverschreibungen für institutionelle Investoren und Zertifikate für private Investoren, aufgelegt werden. Erstere werden gezählt und genau beobachtet, während der gesamte Bereich der strukturierten Produkte in der öffentlichen Diskussion kaum ein Rolle spielt. Die Musik der Industrie spielt leider nicht in den "deutschen" Produkten, sondern nach wie vor - wie auch in den Jahren seit 2000 . in den Strukturen. Schon im Jahr 2004 sind ca. 15 Mrd. Euro in Hedgefonds-Strukturen von deutschen Anlegern investiert worden und nach Absolut|report-Schätzungen sind wir per Ende 2006 schon bei über 20 Mrd. Euro. In Deutschland sind in zwei Jahren um die 2 Mrd. Euro von etwas über 40 Hedgefonds-Produkten, eingeworben worden, was ein sehr guter Stand ist. Jedoch hat es alleine die Dresdner Bank in den letzten vier Monaten geschafft gut 1,1 Mrd. Euro für drei neue Hedgefonds-Zertifikate von ihren privaten Investoren zu erhalten, was mehr als 50% des Volumens der "deutschen Produkte" ausmacht.
Und es gibt noch weit mehr Investments, die aufgrund des nicht öffentlichen Angebots kaum zählbar wahrgenommen werden. Dieses von Investoren gezeigte Interesse gelangt noch zu wenig in das Bewusstsein und trägt dazu bei, dass der Erfolg von Hedgefonds zu sehr an der rein deutschen Industrie gemessen wird, die hier aber nicht der Maßstab sein kann. Im Bereich der Hedgefonds-Produkte wird es keinen lokalen Markt geben, es wird immer ein internationaler Markt bleiben, aus dem sich die Investoren bedienen werden, da es auf die besten Ideen und Köpfe in einem Absolute-Return- Umfeld ankommt, die nicht in unendlicher Zahl verfügbar sind. Insbesondere institutionelle Anleger wollen Top-Produkte. Wenn sie diese nur über strukturierte Produkte finden, werden sie diesen Weg gehen. Solange es für einen deutschen Dach-Hedgefond nicht möglich ist, aus der gesamten Bandbreite der Single-Hedgefonds auszuwählen, wird die Wahl auf einen internationalen Dach-Hedgefond fallen, der dann über eine Struktur erworben wird. Der Markt für Hedgefonds wächst also. Es gibt daher keinen Grund für Pessimismus.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 2|2006