Absolut gestresst...

Absolut|report 2|2003}
...wird (und ist) in diesen Tagen die Versicherungswirtschaft. Die dramatische Lage an den Kapitalmärkten, kombiniert mit den düsteren Aussichten für die Zukunft, zwingt die Aufsicht dazu, den Versicherungen tief ins Portfolio zu schauen. Das BAFIn fordert - allerdings in Abstimmung mit der Branche ? einen Stress-Test, der die Kapitalanlagen der Branche zwei unterschiedlichen "Tail-Events" aussetzt. Nun ist der Streit groß, da einige der Versicherungen den Test in der starken Form nicht bestanden haben und dies nun als Marketingargument verwendet wird. Dieser Test ist hingegen problematisch. Die Versicherungen, mit alternativen Anlageklassen im Portfolio, können diese innerhalb des Stress-Tests jedoch nicht in ihrer diversifizierenden Wirkung einbringen. Es sind im Test dafür keine eigenen Klassen vorgesehen, und es werden keine Korrelationen berücksichtigt.
Es werden sowohl alle Hedge-Fund-Investments als auch Private Equity, ABS-Equity-Tranchen zur Risikokapitalquote gezählt und folglich mit den Aktien gemäß Test A mit 35 % bzw. Test B mit 20 % geschockt.
Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem bei der gängigen Beurteilung von Kapitalanlagen bei Versicherungen. Es wird zu wenig auf die Diversifikationswirkung unterschiedlichster Asset-Klassen abgestellt. Insbesondere alternative Anlageformen, die auf Absolut Return ausgerichtet sind, bieten eine gute Möglichkeit, sich von der Diktatur des Marktes zu befreien und Versicherungen wieder Luft für neue - volkswirtschaftlich sinnvolle und notwendige - Investments in den Aktienmarkt zu geben. Nur wenn es der Versicherungswirtschaft gelingt, unterstützt von einer qualitativen und liberalen Aufsicht, ihre Kapitalanlagen neu zu ordnen und ?stressfest? zu machen, wird die Aktienquote wieder ansteigen können und die Sorge um die Industrie geringer werden. Dabei ist Diversifikation das Zauberwort. Allerdings werden selbst 5 % Hedge-Fund-Anlagen nicht ausreichen, die Sorgen zu verringern. In den USA sind die dortigen Stiftungen schon in einer ganz anderen Welt angekommen. Im Jahr 2002 liegt der prozentuale Anteil von Alternative Investments (insbesondere Hedge Funds und Private Equity) in den Portfolios der Stiftungen bei 32 % und damit so hoch wie der Anteil an US-Aktien. Große Stiftungen investieren sogar durchschnittlich 42 %, die größten bis zu 50 % in Alternative Investments, mit entsprechend positiver Auswirkung auf die Performance dieser Anleger.
In Deutschland müssen jetzt innerhalb der Versicherungen, bei der Aufsicht und vom Gesetzgeber her die Weichen für eine diversifiziertere Asset Allocation gestellt werden, will man die Not der Versicherungen mittelfristig auflösen und mehr Spielräume für attraktive Erträge eröffnen.

Ihr Michael Busack
Herausgeber


Ausgabe: Absolut|report 2|2003