Absolut verändert ...

Absolut|report 1|2024}

… hat sich die Asset Allocation institutioneller Anleger in den vergangenen 20 Jahren. Insbesondere in Deutschland ging der Fokus weg von hochgerateten, festverzinslichen Wertpapieren und hin zu neuen Asset-Klassen wie Aktien und alternativen Anlagestrategien.

Auch die Erfahrungen der Dotcom-Blase und der globalen Finanzkrise 2008/2009 verdeutlichten den Wert einer breiteren Diversifikation. Der wirkliche Game-Changer aber war die Staatsschuldenkrise, die den Glauben – insbesondere deutscher Investoren – an den risikofreien Zins erschütterte. Das Absinken der Renditen deutscher Staatsanleihen unter die Nullmarke manifestierte die Erkenntnis, endgültig in einem neuen Zeitalter angekommen zu sein. Die langanhaltende Niedrigstbzw. Negativzinsphase zerstörte das Paradigma, dass festverzinsliche Wertpapiere die Lösung für die Kapitalanlage und die Bedeckung der langfristigen Verbindlichkeiten sind.

Seitdem begann die kapitalanlagepolitische Zeitenwende, die vor allem für solche Investoren problematisch war, die sehr hohe fixe Garantieverzinsungen zu leisten hatten. Grundsätzlich krankt das deutsche Pensionssystem an seinem Garantiefetischismus, ergänzt durch eine Risikoaversion, was wenig Spielraum für Marktvolatilität lässt.

Viele institutionelle Anleger haben dann umgeschwenkt und festverzinsliche Wertpapiere durch illiquide alternative Investments ersetzt. Der Diversifikation der Portfolios hat es genützt, die Ertragserwartungen sind gestiegen. Nun aber, da der Zins wieder da ist, sieht man eine Rückbesinnung auf alte Muster, was bedeuten kann, dass der Anspruch einer Erzielung höherer Renditen für die Stakeholder zugunsten gesicherter, aber niedrigerer Erträge verwässert wird.

Das sollte uns zu denken geben. Denn wer nur nominale Renditen im Blick hat, handelt zwar vertragskonform, aber ggf. nicht im Sinne der Stakeholder, die ihre Altersversorgung darauf aufbauen.

Michael Busack
Herausgeber




Ausgabe: Absolut|report 1|2024