Absolut abwartend...
...zeigt sich die neue deutsche "Hedge- Fonds-Industrie" in den ersten
Wochen des Jahres 2004. Dies liegt vor allem an den rechtlichen und
steuerlichen Unsicherheiten in der konkreten Ausgestaltung von
Produktideen und Vertragsunterlagen. Viele Marktteilnehmer warten auf
die Zeichen von der Finanzaufsicht, die für die regulatorischen
Rahmenbedingungen verantwortlich ist. Die BaFin muss nun, nach der sehr
zügigen Gesetzesverabschiedung, die Richtung in der Praxis vorgeben und
den Gesetzestext mit Leben füllen. Keine einfache Aufgabe. Die
Vorbereitungen für die ersten Produkte laufen bereits auf Hochtouren,
und auch der BAI geht davon aus, dass die ersten Hedge-Fonds-Produkte
noch im ersten Quartal des Jahres 2004 auf den Markt kommen werden.
Aktuell arbeitet die BaFin intensiv - in Abstimmung mit dem BAI und dem BVI - an den Mustervertragsbedingungen für Kapitalanlagegesellschaften und baut die internen Voraussetzungen für die Zulassung und laufende Prüfung der neuen Fonds auf. Ein wahrlich riesiger Aufwand, der von der Behörde nun in kurzer Zeit zu leisten ist. Er ist aber notwenig, will man nicht gegenüber den europäischen Nachbarn, insbesondere Luxemburg und Irland, ins regulatorische Hintertreffen geraten. Die Gefahr besteht, dass die Hedge Fonds von deutschen Anbietern nicht in Deutschland, sondern über das Ausland aufgelegt werden und so der direkten Kontrolle der Bafin entzogen sind. Gleichfalls wartet die Versicherungs- und Pensionsfondsindustrie dringend auf die neue Anlageverordnung und die konkreten Umsetzungsbedingungen. Hier wird es für die Branche, aber auch die Investoren darauf ankommen, die liberalen Gestaltungsmöglichkeiten des Gesetzes nicht durch eine zu strenge Reglementierung auf der Aufsichtsseite zu verlieren. Der Ausgleich der Investoreninteressen mit denen des Anleger- bzw. Versichertenschutzes muss hier gefunden werden. Grundsätzlich benötigt die Versicherungsindustrie jedoch weitere Anlageformen, die zur Diversifikation der Kapitalanlagen beitragen können und die Abhängigkeit vom Aktien- und Zinsmarkt reduzieren. Der Gesetzgeber wollte, dass Hedge Fonds hier einen Beitrag leisten. Das Jahr 2004, insbesondere die ersten sechs Monate, werden daher sehr wichtig sein für den Aufbau einer Hedge-Fonds- Industrie in Deutschland. Jetzt kommt es primär auf die Ausgestaltung der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen an, damit den liberalen Absichten des Gesetzgebers in der Praxis Rechung getragen werden kann. Trotzdem müssen Anlegerschutz und Versicherungsaufsicht natürlich gewährleistet sein. Aber: Deutschland braucht alternative Investmentformen dringender denn je. Viele institutionelle Portfolios können und wollen nicht länger Spielball emotionsgetriebener Marktbewegungen sein.
Ihr Michael Busack
Herausgeber
Ausgabe: Absolut|report 1|2004
Aktuell arbeitet die BaFin intensiv - in Abstimmung mit dem BAI und dem BVI - an den Mustervertragsbedingungen für Kapitalanlagegesellschaften und baut die internen Voraussetzungen für die Zulassung und laufende Prüfung der neuen Fonds auf. Ein wahrlich riesiger Aufwand, der von der Behörde nun in kurzer Zeit zu leisten ist. Er ist aber notwenig, will man nicht gegenüber den europäischen Nachbarn, insbesondere Luxemburg und Irland, ins regulatorische Hintertreffen geraten. Die Gefahr besteht, dass die Hedge Fonds von deutschen Anbietern nicht in Deutschland, sondern über das Ausland aufgelegt werden und so der direkten Kontrolle der Bafin entzogen sind. Gleichfalls wartet die Versicherungs- und Pensionsfondsindustrie dringend auf die neue Anlageverordnung und die konkreten Umsetzungsbedingungen. Hier wird es für die Branche, aber auch die Investoren darauf ankommen, die liberalen Gestaltungsmöglichkeiten des Gesetzes nicht durch eine zu strenge Reglementierung auf der Aufsichtsseite zu verlieren. Der Ausgleich der Investoreninteressen mit denen des Anleger- bzw. Versichertenschutzes muss hier gefunden werden. Grundsätzlich benötigt die Versicherungsindustrie jedoch weitere Anlageformen, die zur Diversifikation der Kapitalanlagen beitragen können und die Abhängigkeit vom Aktien- und Zinsmarkt reduzieren. Der Gesetzgeber wollte, dass Hedge Fonds hier einen Beitrag leisten. Das Jahr 2004, insbesondere die ersten sechs Monate, werden daher sehr wichtig sein für den Aufbau einer Hedge-Fonds- Industrie in Deutschland. Jetzt kommt es primär auf die Ausgestaltung der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen an, damit den liberalen Absichten des Gesetzgebers in der Praxis Rechung getragen werden kann. Trotzdem müssen Anlegerschutz und Versicherungsaufsicht natürlich gewährleistet sein. Aber: Deutschland braucht alternative Investmentformen dringender denn je. Viele institutionelle Portfolios können und wollen nicht länger Spielball emotionsgetriebener Marktbewegungen sein.
Ihr Michael Busack
Herausgeber
Ausgabe: Absolut|report 1|2004