21.11.2023 | Märkte

Stresstests: Techniken und Best Practice

Qontigo hat in einer kurzen Analyse gängige Stresstesttechniken und einige Best Practices beschrieben. Stresstests dienen dazu, die Auswirkungen ungünstiger Marktbewegungen auf ein Portfolio abzuschätzen. Während die Risikofaktoren, Verteilungsannahmen und Preisbildungsfunktionen von VaR-Modellen variieren, sind selbst die ausgefeiltesten Ansätze in anormalen oder Krisenzeiten unzureichend. Entsprechend liefert die Kombination von Stresstests und statistischen Modellen ein genaueres Bild des Risikos: VaR-Modelle sind zusammen mit ihren Risikozerlegungen in normalen Marktumgebungen nützlich, während Stresstests die Lücke in anormalen Marktphasen füllen.

Eine Schlüsselkomponente bei der Konzeption eines Stresstests ist die Auswahl von Szenarien, die in der Regel eine subjektive Projektion von Risikofaktoren erfordert. Es gilt, die richtigen Risikofaktoren und Modellparameter auszuwählen, mögliche Verschiebungen zu berücksichtigen und den korrekten Liquiditäts- und Zeithorizont zu verwenden. Letzteres umfasst beispielsweise den Unterschied zwischen Schocks und graduellen Veränderungen im Zeitverlauf.

Stresstests können historisch, benutzerdefiniert oder transitiv für eine Reihe von (gestressten) Kernrisikofaktoren sein. Neben der Verschiebung von Risikofaktoren können auch Modellparameter verschoben werden. Modellparameterverschiebungen sind für Event-Driven- und Worst-Case-Event-Schocks nützlich. Historische Stresstests wenden vergangene Marktbewegungen auf ein aktuelles Portfolio ab, während bei benutzerdefinierten Stresstests eine bestimmte Verschiebung von Risiko- oder Preisfaktoren durchgespielt wird. Sie sagen nichts über Korrelationen aus, sondern sie verschieben einfach die Risikofaktoren und bewerten das Portfolio neu. Anspruchsvoller als benutzerdefinierte Stresstests sind transitive Stresstests. Ein Satz von Kernfaktoren wird ausgewählt und verschoben, während die Bewegung der übrigen peripheren Risikofaktoren aus der Kovarianz der Faktorrenditen abgeleitet wird. Der Vorteil liegt hier in der Konstruktion von Forward-Looking-Szenarios.



Quelle: Qontigo


Die Autoren empfehlen, alle drei Arten von Stresstests zu nutzen. Auch wenn sich historische Ereignisse nicht wiederholen, können die Ergebnisse Aufschluss über Korrelationen geben. Benutzerdefinierte Stresstests, auch wenn sie noch so trivial oder einfach sind, sollten neben allen transitiven Stresstests verwendet werden. Stresstests sollten regelmäßig geupdatet werden, zudem ist es sinnvoll, Tests zu kombinieren, die Schocks bzw. graduelle Änderungen unterstellen. Auch gilt es, die Faktor-Betas zu analysieren.


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