03.11.2025 | Research

Stock Momentum vs. Factor Momentum

Xavier Gérard und Laura Jehl von Quoniam haben in einem Research Paper untersucht, ob Aktienmomentum ausschließlich durch Faktormomentum erklärt werden kann oder ob es eine eigenständige, aktienspezifische Komponente gibt. Die Autoren trennen Faktormomentum von aktienspezifischem Momentum, indem als Maß für aktienspezifisches Momentum ausschließlich Renditen um Gewinnankündigungen verwendet werden. Untersucht werden jeweils die 1 000 (USA), 400 (Europa) und 200 (Japan) größten Aktien nach Marktkapitalisierung im Zeitraum 1992 bis 2024. Es werden jeweils die traditionelle 12-Monats-Momentumrenditen berechnet und in zwei Komponenten aufgeteilt: Renditen innerhalb eines 2-Tage-Fensters um Gewinnankündigungen („Earnings Announcement Returns“, EAR) sowie übrige tägliche Renditen („ex-EAR“).

Im Vergleich zu klassischen Momentum- und ex-EAR-Strategien lieferte die EAR-Strategie zwar nominal geringere Renditen, als klassische Momentumstrategien, deren risikoadjustierte Performance war jedoch deutlich robuster. In den USA und Europa lagen die Bruttorenditen der ex-EAR-Komponente – also des Momentumteils ohne Gewinnankündigungen – mit rund 5,8 % bzw. 5,2 % p. a. über jenen der EAR-Komponente mit 3,5 % bzw. 3,1 % p. a. Diese höheren Werte gingen allerdings mit deutlich höherem Risiko und einer starken Abhängigkeit von systematischen Faktoren einher; die Renditen waren bereits unadjustiert statistisch schwach und wurden nach Faktorkontrolle vollständig insignifikant. Die EAR-Strategie wies dagegen eine wesentlich geringere Volatilität auf (rund 60 % niedriger) und blieb auch nach Berücksichtigung von Markt- und Branchenrisiken signifikant. In Japan zeigt sich der Unterschied noch deutlicher. Auch längerfristig blieb die EAR-Strategie stabil, während klassische Momentum- und ex-EAR-Strategien zu negativen Reversals neigen. Dies ist ein Hinweis auf Unterreaktionen bei firmenspezifischen Informationen und Überreaktionen auf systematische Faktoren.


Quelle: Gérard, Jehl, 2025

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Aktienmomentum nicht vollständig durch Faktormomentum erklärt werden kann. Renditen rund um Gewinnankündigungen enthalten eine eigenständige, prognosekräftige Komponente, die weder auf Faktorrisiken noch auf Modellfehlern beruht. Diese Erkenntnis hat praktische Implikationen für Momentum-Investoren: Strategien, die aktienspezifische Informationsreaktionen isolieren, bieten robustere und risikoärmere Ertragsquellen. Das Paper ist im Financial Analysts Journal Volume 82, Issue 1 erschienen.

 

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