Preiseffekte vertraglicher Besonderheiten bei Anleihen
Vertragsbedingungen, die die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung einer Verbindlichkeit beeinflussen, sollten sich auf ihren Preis auswirken. Unklar ist, wie dies bei sehr umfassenden und/oder komplexen Vertragstexten ist. Ein Team um Stephen Choi von der New York University School of Law hat in einem Research Paper untersucht, wie und in welchen Fällen Unterschiede im Kleingedruckten in weitgehend standardisierten Vertragstexten zu Preisveränderungen führen. Die Autoren beachten zwei Staatsanleihen (bzw. staatliche garantierte Anleihen) von Ghana und Sri Lanka, die in ihren Details von anderen Emissionen der beiden Staaten abweichen – in einem Falle positiv (Sri Lanka), im anderen negativ (Ghana) für die Investoren. Diese Besonderheiten wurden in einem Podcast sowie einem späteren Blogpost erwähnt, und so die Investoren darauf aufmerksam gemacht. Beide Staaten hatten finanzielle Schwierigkeiten, so dass die Möglichkeit einer Umstrukturierung der Anleihen gegeben war.
Es zeigt sich, dass nach der Veröffentlichung des Podcasts der Preis der betroffenen Ghana-Anleihe nachgab, wohingegen andere, nicht betroffene Anleihen im Kurs stiegen. Nach einem späteren Blogpost mit demselben Thema stiegen alle Anleihen Ghanas, die betroffene Anleihe allerdings weniger stark als die anderen. Statistisch war vor allem der Podcast mit einer relativen Preisreduzierung der betroffenen Bonds verbunden. Der Blogpost hat dagegen eine deutlich geringere Auswirkung gehabt; vermutlich, weil die Besonderheit der betroffenen Anleihe den Investoren zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war. Bei der Sri-Lanka-Anleihe ergab sich ein ähnliches Ergebnis. Als die Investoren erstmalig auf die besonders günstigen Bedingungen der betroffenen Anleihe aufmerksam gemacht wurden, stieg ihr Kurs an. Der spätere Blogpost hatte keine Preisreaktion zur Folge.

Quelle: Choi, Gulati, Panizza, Scott, Weidemaier, 2024
Die Offenlegung idiosynkratischer vertraglicher Besonderheiten führte in beiden Fällen zu einer signifikanten relativen Preisbewegung zwischen den betroffenen und den Kontrollanleihen in der erwarteten Richtung. Diese Ergebnisse implizieren, dass der Markt die Besonderheit in den Anleihebedingungen offenbar nicht eingepreist hat, bevor die Akteure auf deren Existenz aufmerksam gemacht wurden. Die Autoren gehen davon aus, dass die fehlende Einpreisung der vertraglichen Besonderheiten seit Emission der Anleihen bestand.
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