06.08.2019 | Märkte

Nachhaltigkeitsdaten zur Bewertung von Staatsanleihen

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bei Staatsanleihen stellt Investoren vor einige Herausforderungen. WWF und Investec haben untersucht, ob die Auswertung von Satelliten-Daten zur besseren Einschätzung der Umweltrisiken beitragen kann. Denn die Umweltrisiken (Naturkapital) eines Staates können sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung und damit auf die Rückzahlungsfähigkeit emittierter Anleihen auswirken. So zeigen die Autoren bspw., dass die Proteste und Revolutionen des Arabischen Frühlings zum Teil durch Dürren und die daraus resultierende Arbeitslosigkeit aufgelöst wurden. In Indonesien haben wiederum die Diskussionen rund um Palmöl zur Schwächung der Industrie geführt, die 3,5 % zum BIP beiträgt und von der 17 Mio. Indonesier ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Breite Proxydaten, wie Energieintensität und Wasserstress, können zwar einen ersten Hinweis auf Umweltrisiken liefern. Die Daten sind allerdings häufig veraltet und liefern nur ein unvollständiges Bild. Mithilfe von Satellitenbildern lässt sich ein breites Spektrum von Nachhaltigkeitsaspekten in Echtzeit miteinander verknüpfen und auswerten. Außerdem wird ermöglicht, zu überprüfen, ob die umweltpolitischen Verpflichtungen eingehalten werden.

Als Beispiel haben die Autoren den Zusammenhang zwischen Abbaugenehmigungen für Minen und Schutzgebieten in Brasilien untersucht. 28 % der 2.299 ausgewiesenen Schutzgebieten enthalten Bergbaukonzessionen. Hiermit lässt sich langfristig das Engagement Brasiliens, seine gesetzlichen Schutzgebiete zu erhalten, bewerten.


Quelle: Investec, WWF, UNEP-WCMC World Database

Die Daten zu den Bergbaukonzessionen wurden auch mit einer Datenbank verglichen, die Änderungen des Rechtsstatus von Schutzgebieten, wie Nationalparks, überwacht, auch genannt als PADDD (Protected Area Downgrading, Downsizing and Degazettement). Von den 127 PADDD-Ereignissen traten 60 % in Schutzgebieten auf, die Bergbaukonzessionen beinhalten. Der Mapinguari National Park erlebte 2008 ein PADDD-Event, um einen Staudamm bauen zu können. Die Folgen waren u.a. Überschwemmungen und der Rückgang von Waldflächen.


Quelle: Investec, WWF, Sentinel satellite imagery, padddtracker.org, UNEP-WCMC World Database, MapBiomass


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