Marktphasenbasierte Sektorrotation senkt Volatilität und Drawdowns
Branchen reagieren unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark auf marktweite Informationen. Valeriy Zakamulin von der University of Agder untersucht in einem Research Paper, ob vergangene Marktrenditen Informationen über die spätere Verteilung von Renditen verschiedener US-Aktienbranchen enthalten und ob sich daraus eine aktive Branchenrotationsstrategie ableiten lässt. Die Analyse zeigt zunächst, dass sich die durchschnittlichen Branchenrenditen nur begrenzt anhand vergangener Marktrenditen prognostizieren lassen. Quantilsregressionen zeigen dagegen, dass die Vorhersagekraft vor allem in den Randbereichen der Renditeverteilung liegt. Besonders die unteren Quantile vieler Branchen werden durch vergangene Marktrenditen signifikant beeinflusst, während die Beziehung im Bereich des Medians schwach oder nicht vorhanden ist.
Aus diesem Befund wird eine aktive Branchenrotationsstrategie entwickelt. Anstatt Quantilsregressionen direkt für Prognosen zu verwenden, wird ein nichtparametrischer Ansatz gewählt. Dieser identifiziert historische Monate mit einem dem aktuellen Umfeld ähnlichen Marktzustand und analysiert die anschließende Entwicklung der einzelnen Branchen. Der Marktzustand wird durch die standardisierte Überschussrendite des Gesamtmarktes beschrieben. Für jeden Zeitpunkt werden historische Beobachtungen mit ähnlichen Marktzuständen gesucht. Branchen mit positiven durchschnittlichen Folgerenditen nach diesen Zuständen werden gekauft, Branchen mit negativen Folgerenditen werden verkauft.
Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die auf ähnlichen historischen Marktphasen basierende Strategie im Zeitraum von 1970 bis 2025 gegenüber einem passiven gleichgewichteten Branchenportfolio die Sharpe Ratio von 0,47 auf 0,53 erhöht, die annualisierte Volatilität von 16,8 % auf 13,9 % senkt und den maximalen Drawdown von 54,0 % auf 48,9 % reduziert. Der Performancevorteil entsteht damit vor allem durch geringere Risiken und nicht durch durchgehend höhere Durchschnittsrenditen. In jüngeren und kürzeren Auswertungszeiträumen fällt die Risikoreduzierung noch deutlicher aus. Diese Ergebnisse bleiben auch bei alternativen Branchenklassifikationen und Parametereinstellungen bestehen.

Quelle: Zakamulin, 2026
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