Market Impact und Kosten des Rebalancings
Ein Team um Campbell R. Harvey von der Duke University hat in einem Research Paper die Auswirkungen des regelmäßigen Rebalancings institutioneller Portfolios untersucht. Die Autoren argumentieren, dass die Rebalancing-Aktivitäten einen Market Impact haben und prognostizierbare Preisentwicklungen verursachen, was für die Investoren Kosten nach sich zieht. Sie konstruieren zwei Proxies, die die Rebalancing-Aktivitäten abbilden: Zum einen ein Threshold-Signal, das ausgelöst wird, wenn Portfolio-Gewichtungen einen bestimmten Schwellenwert überschreiten, zum anderen ein Kalendar-Signal, wonach Rebalancing nach einem festen Zeitplan (z. B. Monatsende) stattfindet.
Es zeigt sich im US-Aktienmarkt, dass eine Zunahme des Threshold-Signals um eine Standardabweichung mit einer Abnahme der Aktienrendite um 16 Basispunkte am nächsten Tag einhergeht, beim Kalender-Signal sind es 17 Basispunkte. Diese Effekte gleichen sich über die kommenden zwei Wochen wieder aus, was impliziert, dass es sich nicht um fundamental gerechtfertigte Preisbewegungen gehandelt hat, sondern die Rebalancing-Aktivitäten ausschlaggebend waren.

Quelle: Harvey, Mazzoleni, Melone, 2025
In Summe belaufen sich die so entstehenden Kosten für institutionelle Investoren auf 8 Basispunkte im Jahr, was für den Gesamtmarkt einem Wert von 16 Mrd. US-Dollar entspricht. Diese Kosten sind höher als die Kosten passiver Investments in den entsprechenden Märkten. Das Rebalancing eines Aktien/Anleihen-Portfolios ist also teurer als die Fees, die für den Marktzugang an sich aufgewendet werden müssen. Am stärksten ist der Effekt bei US Large- und Small Caps, bei internationalen Aktien weniger ausgeprägt. Im Anleihenmarkt zeigen sich grundsätzlich gegensätzliche Effekte zu Aktien – wenn Aktien fallen, steigen oft Anleihenpreise.
Das mechanische Rebalancing großer Fonds ermöglicht Front-Running, da ihre Handelsbewegungen vorhersehbar sind. Die Autoren testen, ob Front Running bei Rebalancing großer Fonds möglich ist, indem basierend auf den Threshold- und Calendar-Signalen gezielt Long- und Short-Positionen in S&P 500- und Treasury-Futures aufgebaut werden. Die Strategie erzielt signifikant positive Alphas und eine Sharpe-Ratio über 1 von 1997 bis 2023, was die wirtschaftliche Nutzbarkeit solcher Ansätze bestätigt.

Quelle: Harvey, Mazzoleni, Melone, 2025
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