Interdependenz von Tail-Risiken
Arnold Polanski, Evarist Stoja und Ching-Wai Chiu von der Bank of England haben in einem Researchpaper ein Modell zur Messung der Interdependenz von Tail-Risiken entwickelt. Dabei werden ausdrücklich nur die Abhängigkeiten in den Enden der Verteilung betrachtet, da finanzielle und ökonomische Variablen in verschiedenen Bereichen der Verteilung unterschiedliche Interdependenzen aufweisen. Die Tail-Interdependenz bemisst den Gleichlauf von Stressphasen der einzelnen Assets eines Finanzsystems und damit das systemische Risiko. Der vorgestellte Koeffizient der Tail-Interdependenz (CTI) kann weiter aufgeteilt werden, um beispielsweise den Beitrag einzelner Assets auf die Abhängigkeit des Gesamtportfolios zu analysieren. Dies kann es Portfoliomanagern dabei helfen, festzustellen, welche Einzeltitel welchen Beitrag zum Tail-Risiko leisten.
Empirisch wird das Modell auf die G7 Anleihen- und Aktienmärkte sowie die Werte des Dow Jones 30 Index und Fama-French-Faktoren angewandt. Sowohl für die G7 Aktienmärkte als auch für die Dow Jones Konstituenten ergibt sich eine deutlich asymmetrische Abhängigkeit: hoch in den negativen Extremen, gering im mittleren Teil der Verteilung und wieder höher am positiven Rand; hier allerdings niedriger als im negativen Tail. Dies bedeutet, dass Diversifikation und Tail Risk Hedging wegen der Tendenz der Märkte, gleichzeitig Stressphasen zu durchleiden, mit Schwierigkeiten verbunden sind. Bei Anleihen ergibt sich eine symmetrische Verteilung in negativen und positiven Rändern.

Quelle: Polanski, Stoja, Chiu, 2019
Die Fama-French-Faktoren erklären bei den Dow-Jones-Konstituenten einen großen Teil der Abhängigkeiten im mittleren Bereich der Verteilung, haben aber keinen Einfluss bei den Rändern. Damit können die Faktoren nicht als Proxies für die Extremrisiken verwendet werden.
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