22.09.2020 | Research

Evaluierung systemischer Risikoindikatoren

Ein Team von der Bundesbank hat in einem Researchpaper verschiedene Indikatoren auf ihre Eignung als systemische Risikoindikatoren untersucht. Hierzu entwickelten Benny Hartwig, Christoph Meinerding und Yves Schüler einen zweistufigen hierarchischen Testrahmen, der die Definition von systemischem Risikos, festgelegt durch verschiedene internationale Organisationen, operationalisiert. Eine Variable gilt dann als systemischer Risikoindikator, wenn sie die Wahrscheinlichkeit einer Störung der Finanzmärkte mehrere Beobachtungsperioden vor Eintreten vorhersagen kann und eine positive Korrelation zwischen prognostizierter Wahrscheinlichkeit und Downside-Risiko für die Realwirtschaft besteht.

Zunächst wird die in der Basel-II-Regulierung prominente Kredit/BIP-Lücke untersucht. Für die G7-Staaten zeigt diese Variable das systemische Risiko nicht kohärent an. Hintergrund ist, dass in manchen Staaten ein hoher Wert mit systemischem Risiko einhergeht, in anderen Staaten dagegen ein niedriger Wert. Konsistenter bei der Signalisierung von Risiko ist dagegen ein zusammengesetztes Maß des Finanzzyklus, das Informationen aus dem Wachstum von Kreditvolumen und Wertpapierpreisen umfasst.


Quelle: Hartwig, Meinerding, Schüler, 2020

Zusätzlich testen die Autoren die individuellen Komponenten dieses zusammengesetzten Maßes, die aber ebenso wenig wie Indizes, die Ansteckungs- und Spillover-Effekte abbilden, zur Evaluierung des systemischen Risikos geeignet sind. Letztere bieten keine hinreichende Prognose des Risikos für die Zukunft, und sind demnach nicht sinnvoll, um makroprudenzielle Maßnahmen zu kalibrieren, können aber genutzt werden, um den aktuellen Zustand des Finanzsystems zu analysieren.

Die Autoren schließen mit dem Fazit, dass sich mittels antizyklischer makroprudenzieller Politik zwar Verwundbarkeiten im Vorfeld von Finanzkrisen eindämmen lassen, das eigentliche systemische Risiko hiermit aber nicht direkt vermindert werden kann. Möglich ist damit, den Finanzzyklus in Aufschwungphasen zu glätten, was indirekt das Ausmaß des künftigen systemischen Risikos mindert.


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