14.09.2020 | Research

ESG als Faktor-Investment

Im traditionellen Sinne stellen ESG-Kriterien im Aktienbereich zwar keinen Faktor dar, besitzen aber dennoch Potenzial für Outperformance, wie zwei Autoren von Research Affiliates (RAFI) in einem Researchbericht zeigen. Während klassische Aktienfaktoren wie Value, Low Beta, Quality und Momentum sowohl in akademischen Untersuchungen nachgewiesen wurden als auch über verschiedene Definitionen und Anlageregionen robuste Erträge lieferten, lässt sich ein solches Verhalten für ESG-Kriterien nicht beobachten. Die Autoren zeigen, dass auf Basis von Vigeo Eiris Daten konstruierte Long/Short-Aktienportfolios für die vier Varianten E, S, G und ESG keine nennenswerten Überrenditen generieren konnten. Sowohl im europäischen als auch im US-Markt lieferte im 10-Jahres-Zeitraum nur die E-Strategie eine Überrendite. Allerdings waren weder Über- noch Unterrenditen im CAPM statistisch signifikant.


Quelle: West, Polychronopoulos (RAFI)

Aber auch wenn ESG-Kriterien keinen Faktor-Definitionen entsprechen, könnten sie über lange Zeiträume Outperformance-Potenzial besitzen, halten die Autoren fest und nennen zwei Argumente. Erstens eignen sich ESG-Metriken um latente Risiken in Unternehmen zu erfassen, die über traditionelle Finanzkennzahlen nicht ohne weiteres erkannt werden. So spielt bspw. der langfristige Ausstieg aus Kohle-basierter Energieerzeugung eine übergeordnete Rolle für viele Branchen, der über geeignete ESG-Metriken berücksichtigt werden kann. Zweitens verändert sich die Struktur der Asset Owner und die Zahl der Marktteilnehmer, die ESG-Aspekten eine hohe Bedeutung beimessen, nimmt zu. Die Autoren schätzen, dass steigende Nachfrage nach hinsichtlich ESG gut bewerteten Unternehmen einen messbaren Effekt in der Preisbildung haben könnte. ESG könnte damit ein sog. „Revaluation Alpha“ verursachen, wie es bei klassischen Themen-Investments in den Branchen Künstliche Intelligenz, Cloud oder Automatisierung der Fall war.


Quelle: West, Polychronopoulos (RAFI)

In der Folge könnte in ESG-Nischen, die sich definitorisch vergleichsweise gut abgrenzen lassen, wie bspw. Low Carbon, Wald oder Gender Equality das höchste relative Performancepotenzial liegen. Daher ist es sinnvoll, ESG-Kriterien in den Anlageprozess zu integrieren, schlussfolgern die Autoren.
 

Mit der Publikation Absolut|impact zeigt Absolut Research das Spektrum nachhaltiger Investments für institutionelle Investoren auf. Anleger erfahren durch Fachbeiträge zu Strategien, Trends, ESG-Initiativen und Regulierung, wie sie nicht nur ihr Portfolio, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen (mit)gestalten können.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "ESG"
zurück