Einfluss von ETF-Flows auf Emerging Markets
Veränderungen der globalen Finanzbedingungen, wie die US-Geldpolitik und die globale Risikobereitschaft, wirken sich gleichzeitig auf die weltweiten Kapital- und Portfolioströme aus. Dieses Phänomen der Synchronisierung internationaler Kapitalströme wird als globaler Finanzzyklus bezeichnet. Ein Team um Tomas Williams von der George Washington University hat in einem Research Paper untersucht, wie sich das Wachstum von ETFs auf die Sensitivität der internationalen Kapitalströme gegenüber dem globalen Finanzzyklus auswirkt.
Zunächst zeigen die Autoren für ein Sample von 1997 bis 2017 mittels Daten auf Fondsebene, dass eine Zunahme des globalen Stresslevels im Finanzsektor einen negativen Einfluss auf die Asset Flows in ETFs und klassische Fonds mit Emerging-Market-Fokus hat. Dieser Effekt ist bei ETFs allerdings erheblich höher: Die Sensitivität der Flows ist bei Aktien-ETFs (Renten-ETFs) 1,5 (1,25) mal so hoch, wie bei den entsprechenden klassischen Fonds. Weder die Größe der ETFs noch die Gebühren, das passive Management oder ihr länderübergreifender Anlagehorizont scheinen dies erklären zu können. Vielmehr scheint es, als ob die höhere Sensitivität damit zusammenhängt, dass ETFs eine Kundschaft mit kürzerem Handelshorizont bedienen, die als Reaktion auf Schocks häufiger tradet.

Quelle: Converse, Levy-Yeyati, Williams, 2023
Im zweiten Schritt werden die Daten auf Länderebene untersucht. Die Autoren stellen fest, dass in Ländern, in denen der Anteil des Gesamtmarktes, der von ausländischen ETFs gehalten wird, größer ist, die Gesamtzuflüsse von Portfolioaktien stärker auf die globalen Finanzbedingungen reagieren. Gleiches gilt, wenn die Preise als abhängige Variable betrachtet werden.
Diese Ergebnisse sind nicht nur statistisch, sondern auch ökonomisch signifikant. Ein Anstieg des Prozentsatzes der von ETFs gehaltenen lokalen Assets um eine Standardabweichung bedeutet eine 2,9-fache Sensitivität gegenüber globalen Finanzschocks in Bezug auf die Portfoliokapitalströme und eine fast 1,2-fache für die Preise.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die verstärkte Nutzung von ETFs als Kanal für Kapitalströme in Schwellenländer die Anfälligkeit dieser Volkswirtschaften für den globalen Finanzzyklus erhöht hat.
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