01.03.2021 | Research

Corporate Governance und institutionelle Investoren

Das Wachstum der Asset-Management-Industrie in den letzten Jahrzehnten hat sich auf die Eigentümerstruktur bei Aktien niedergeschlagen. Eine Mehrheit der Großaktionäre von Unternehmen sind mittlerweile institutionelle Investoren, die als Kapitalverwalter für viele kleinere Kapitalgeber fungieren. Im Hinblick auf die Corporate Governance entsteht dadurch ein vielschichtiges Principal-Agency-Problem. Einerseits agieren institutionelle Investoren als Prinzipal, der die Agenten (also das Management der Portfolio-Unternehmen) überwacht. Andererseits sind sie selbst Agenten, die im Namen ihrer Klienten handeln. Somit treten institutionelle Investoren gleichzeitig als Prinzipal und Agent auf.

Um die Thematik zu adressieren haben Dasgupta, Fos und Sautner vom European Corporate Governance Institute (ecgi) eine Metastudie veröffentlicht, die einen Überblick über die empirische und theoretische Literatur zur Rolle von institutionellen Investoren bei der Corporate Governance gibt.
Erörtert wird zunächst die Rolle der institutionellen Investoren für die Governance von Portfolio-Unternehmen. Determiniert wird sie durch das rechtliche Rahmenwerk, also welche Verpflichtungen, Möglichkeiten und Anreize die Art und Intensität der Einflussnahme formen. Um die Relevanz der institutionellen Investoren hinsichtlich Corporate Governance zu ermitteln, haben die Autoren anhand eines Datensamples (1999 bis 2017) der Aktien-Ownership US-amerikanischer Aktien (quartalsweise) bestimmt, wie hoch der Anteil des von Großinvestoren gehaltenen Grundkapitals ist. Durchschnittlich (Median) halten 11.19 (9.00) Institutionen mindestens 1 % der ausstehenden Aktien eines Unternehmens, 4.33 (3.00) halten mehr als 3 %.


Quelle: Dasgupta, Fos und Sautner (2020)

In China, Japan, Deutschland, Großbritannien und Indien ist die institutionelle Ownership von 2000 bis 2017 angestiegen, das ist deckungsgleich mit den Ergebnissen der USA. Der größte Anstieg war in Großbritannien zu beobachten, gefolgt von Deutschland, Indien Japan und zuletzt China. Am Ende der Sample-Periode hielten institutionelle Investoren durchschnittlich einen großen Teil der Aktien eines Unternehmens: GB (42 %) Deutschland (29,4 %), Japan und Indien (jeweils 20 %) und China (10 %).


Quelle: Dasgupta, Fos und Sautner (2020)

Die Researcher zeigen des Weiteren, wie effektiv das Engagement der institutionellen Investoren durch Shareholder Proposals, Wahlen oder direktes Engagement ist und beleuchten die Auswirkungen bezüglich Performance. Frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass weder Shareholder Proposals noch Voting einen Einfluss auf die Performance oder zukünftige Bewertung von Unternehmen hatten. Neuere Studien fanden kleine positive Bewertungseffekte. Die Erkenntnisse zu den Auswirkungen des direkten Engagements stammen vor allem aus Analysen zu Hedgefonds-Aktivismus, Fallstudien individueller Investoren oder umfragebasierten Studien. Es konnte dokumentiert werden, dass das „behind the scenes“-Engagement weit verbreitet ist. Diese Art der Einflussnahme ist schwer quantitativ zu erfassen. Institutionen treten meist zunächst in direkten Kontakt mit den Portfolio-Unternehmen und wählen den öffentlichen Weg nur, wenn das private Engagement gescheitert ist.


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