Strukturwandel und privater Kapitalbedarf in Europa
Die europäische Wirtschaft ist künftig auf wachsende oder höhere private Investitionen angewiesen, um Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und strukturelle Transformation zu finanzieren, zeigt ein umfangreicher Bericht der Europäischen Investitionsbank (EIB). Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der 300-seitigen Analyse von Investitionstrends, politischen Rahmenbedingungen und strukturellen Herausforderungen in der Europäischen Union.
Die Investitionstätigkeit in Europa hat sich trotz geopolitischer Spannungen, Energiekrisen und Handelskonflikten als stabil erwiesen. Öffentliche Investitionen sind überdurchschnittlich gewachsen und haben maßgeblich zur Stabilisierung beigetragen, während Unternehmensinvestitionen real weitgehend stagnierten. Gleichzeitig blieb die Investitionsdynamik hinter anderen Volkswirtschaften zurück: Seit 2020 stieg die reale private Investition in der EU lediglich um rund 4%, gegenüber 18% in den USA.

Quelle: EIB
Vor diesem Hintergrund identifiziert der Bericht strukturelle Hebel zur Beschleunigung der privaten Investitionen. Der europäische Binnenmarkt spielt dabei eine zentrale Rolle und hat rund 25% der Investitionen seit den 1980er Jahren ermöglicht. Er ist jedoch zunehmend fragmentiert. 62% der Unternehmen berichten von Hindernissen im innereuropäischen Handel, was auf unterschiedliche nationale Regelwerke, administrative Hürden und bürokratische Kosten zurückgeführt wird. Dies begrenzt Skaleneffekte und bremst investitionsintensive Bereiche wie Innovation und Digitalisierung. Parallel dazu könnten EU-weite Finanzierungsinstrumente entscheidend sein. Programme wie InvestEU zeigen einen hohen Hebeleffekt: Ein Euro an Garantien generiert rund 15 Euro an Investitionen, wobei etwa 70% aus privaten Quellen stammen.

Quelle: EIB
Technologische und strukturelle Trends unterstreichen den Handlungsbedarf. Die Nutzung von künstlicher Intelligenz hat bereits rund 12% zum Produktivitätswachstum seit 2019 beigetragen. Gleichzeitig bestehen Investitionslücken in Energieinfrastruktur, Verteidigung und Digitalisierung. Auch im sozialen Bereich zeigt sich Handlungsdruck: 51% der Stadtbevölkerung sehen bezahlbaren Wohnraum als drängendstes Problem, dessen Lösung das BIP um bis zu 1,7% steigern könnte.
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