Consolidated-Tape-Lösungen für den europäischen Kapitalmärkte
Eine funktionsfähige Marktinfrastruktur mit Consolidated Tape (CT) und aussagekräftigen Pre-Trade-Daten ist aus Sicht der europäischen Fondsindustrie entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Kapitalmärkte zu stärken, zeigt ein Positionspapier der EFAMA. Hintergrund ist die stark fragmentierte Marktstruktur für Aktien und ETFs in Europa mit über 350 Handelsplätzen, die zu Informationsasymmetrien führt. Während große Marktteilnehmer mit hohem Aufwand eigene konsolidierte Datenlösungen aufbauen können, sind kleinere Investoren auf unvollständige Informationen angewiesen. Dies erschwert eine effiziente Preisbildung und begünstigt Handelsaktivitäten außerhalb transparenter Märkte. Ein konsolidiertes System, das Preise, Volumina und Liquidität eines Wertpapiers über alle Handelsplätze hinweg in Echtzeit bündelt und veröffentlicht, könnte daher zu engeren Spreads, besserer Ausführungsqualität und insgesamt effizienteren Märkten beitragen.
EFAMA hebt hervor, dass frühere Versuche zur Einführung eines CT vor allem an fehlenden verpflichtenden Datenlieferungen und einem nicht tragfähigen Geschäftsmodell gescheitert seien. Mit der Überarbeitung der Regulierung im Rahmen von MiFIR wurden diese Schwächen adressiert. Die nun im Market Integration and Supervision Package (MISP) vorgesehenen Erweiterungen – insbesondere die Einbeziehung von Pre-Trade-Daten mit Handelsplatzkennzeichnung sowie fünf Preisstufen im Orderbuch – gelten als entscheidend für die Attraktivität eines CT.
Internationale Investoren, insbesondere aus Asien und Lateinamerika, sehen laut EFAMA die mangelnde Transparenz europäischer Märkte als wesentliches Investitionshindernis. Gleichzeitig hätten europäische Aktien in Phasen geopolitischer Unsicherheit zuletzt relativ an Attraktivität gewonnen. Ein leistungsfähiges CT könnte solche Kapitalumschichtungen zugunsten Europas verstärken. Für institutionelle Investoren würde eine solche Dateninfrastruktur die Transparenz über Liquidität und Preise deutlich verbessern und damit Handelskosten sowie Ausführungsrisiken reduzieren. Gleichzeitig erleichtert eine konsolidierte Datenbasis die Einhaltung von Best-Execution-Anforderungen und stärkt die Qualität von Transaktionskostenanalysen.
Für den Anleihemarkt ist ebenfalls eine Consolidated Tape vorgesehen, diese wird jedoch primär auf Post-Trade-Daten ausgerichtet sein und damit vor allem der Transparenz und Bewertung dienen, weniger der unmittelbaren Handelssteuerung.
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