10.12.2015 | Studie

Solvency II erfordert Anpassung der strategischen Asset-Allokation

Das Zinsniveau und die Vorgaben von Solvency II zwingen Versicherungen dazu, ihre strategische Asset-Allokation erheblich anzupassen, zeigt die Ende November veröffentlichte Risikomanagementstudie von Union Investment. Demnach würden Lebensversicherer bei unveränderter Wiederanlage im gegenwärtigen Umfeld eine Rendite von 2,1 % p.a. erzielen und damit den durchschnittlichen Garantiezins im Bestand von 3,3 % p.a. wesentlich unterschreiten.
Mögliche Ansätze, den Return on Solvency Capital im gegenwärtigen Umfeld zu erhöhen, beschränken sich im Solvency-II-Rahmen auf Anlagen in EMU-Peripherie-Staatsanleihen sowie die Verlängerung der Duration. Beide Strategien führen jedoch zu unverhältnismäßig hohen Risiken, schreibt Professor Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance and Management, der die Studie in diesem Jahr durchgeführt hat. Verlängerungen der Duration machen das Portfolio anfälliger für Zinsanstiege, während EMU- und insbesondere Peripherie-Staatsanleihen keine adaquäte Verzinsung für das eingegangene Risiko liefern. Für kapitalschwache Institute stellen beide Ansätze jedoch die einzigen Alternativen dar.


Quelle: Union Investment

Die Studie geht daher davon aus, dass es künftig eine Differenzierung der Kapitalanlagepolitik zwischen kapitalstarken und -schwachen Versicherern geben wird. Versicherer mit starker Kapitalbasis können ihre Strategie anpassen und einerseits die Diversifikation erhöhen und andererseits mit alternativen Risikoprämien zusätzliche Erträge generieren. Kapitalschwache Versicherer sind dagegen gezwungen, sich auf das Zinsänderungsrisiko und das Duration Gap Management zu fokussieren.


Quelle: Union Investment

Entsprechend skeptisch zeigen sich die befragten Investoren bezüglich der Erreichung ihrer Anlageziele. 49 % der deutschen Versicherungen rechnen mit einer Zielverfehlung aufgrund des Zinsumfelds, 29 % sehen in der Regulierung die Ursache. Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass Versicherungsunternehmen ihre Anlagekompetenzen in höher rentierlichen Asset-Klassen verbessern müssen. Eine Internationalisierung der Kapitalanlage sowie risikokontrollierte Aktienstrategien, Immobilieninvestments und Verbriefungen versprechen nach Auffassung der Autoren im regulatorischen Rahmen die größten Erfolgsaussichten.

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