Zusammensetzung der CO2-Prämie
Ein Autorenteam um Alex Edmans von der London Business School hat in einem Research Paper untersucht, auf welche Faktoren die CO2-Prämie zurückzuführen ist. Dabei handelt es sich um höhere realisierte Renditen für Unternehmen mit höheren CO2-Emissionen bzw. einer stärkeren Veränderung der Emissionen.
Realisierte Renditen werden häufig als Proxy für erwartete Renditen verwendet und führen daher zu höheren Kapitalkosten für Unternehmen mit höheren CO2-Emissionen. Dies wird in der wissenschaftlichen Literatur häufig dahingehend interpretiert, dass die Märkte das Übergangsrisiko einpreisen und die CO2-Prämie somit aus dem eingepreisten Risiko resultiert. Eine andere wissenschaftliche Argumentationslinie verwendet realisierte abnormale Renditen als Maß für unerwartete Renditen und interpretiert die CO2-Prämie als Ergebnis einer Fehlbewertung.
Um die Zusammensetzung der Kohlenstoffprämie zu bestimmen, untersuchen die Autoren die Beziehung zwischen Kohlenstoffemissionen und unerwarteten Gewinnen. Hierzu stützen sie sich auf verschiedene Daten u.a. zu den Emissionen von Unternehmen zwischen 2002 und 2021 von Trucost.
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl das Emissionsniveau als auch die Veränderung des Emissionsniveaus signifikant positiv mit unerwarteten Unternehmensgewinnen korreliert sind, was für die Fehlbewertungsthese spricht. Dies gilt für Scope-1-, Scope-2- oder Scope-3-Emissionen, allerdings nur für prognostizierte Emissionen, nicht für berichtete. Die Kohlenstoffintensitäten sind hingegen nicht mit den unerwarteten Gewinnen korreliert.
Die Autoren halten fest, dass der Markt die Transitionsrisiken nicht vollständig einpreist. Möglicherweise ist dies darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen und Investoren CO2-Emissionen als Externalitäten betrachten, die zwar die Gesellschaft, nicht aber die emittierenden Unternehmen betreffen. Damit entscheiden sich einige Unternehmen, nicht in die Reduzierung ihrer Emissionen zu investieren, wodurch sie höhere Gewinne erzielen als vom Markt erwartet.

Quelle Yigit Atilgan, K. Ozgur Demirtas, Alex Edmans und A. Doruk Gunaydin (2023)
Mit der Publikation Absolut|impact zeigt Absolut Research das Spektrum nachhaltiger Investments für institutionelle Investoren auf. Anleger erfahren durch Fachbeiträge zu Strategien, Trends, Methoden und Regulierung, wie sie nicht nur ihr Portfolio, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen (mit)gestalten können.