28.04.2011 | Märkte

World Economic Forum analysiert Zukunft langfristiger Investments

Ein Anfang 2011 veröffentlichter Report des World Economic Forum und Oliver Wyman diskutiert die Grundlagen langfristiger Investitionen. Aktuell ist die Entwicklung an den Kapitalmärkten eher gekennzeichnet durch eine wachsende Kurzfristigkeit. Beleg hierfür sind unter anderem der Anstieg des High-Frequency-Trading sowie die rückläufigen Halteperioden an den Aktienmärkten. Dabei wird langfristigen Investitionen eine zentrale Bedeutung für die Stabilität der Finanzmärkte, bei der Finanzierung von strategischen Infrastrukturprojekten und für den Umstieg in eine kohlenstoffärmere Wirtschaft beigemessen. Vor diesem Hintergrund analysiert der Report die Marktsituation und eine mögliche Bedrohung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung durch den Rückgang von Investitionen mit langfristigem Anlagehorizont.

Im Jahr 2009 lagen mit 27 Billionen US-Dollar rund die Hälfte der professionell gemanagten Anlagen in den Händen von institutionellen Anlegern, rund ein Viertel davon in langfristigen Investments. Im Mittelpunkt der Analyse stehen daher die Investitionsentscheidungen von Lebensversicherern, Pensionsfonds, Family Offices, Staatsfonds und Stiftungen, die über ausreichend Kapazität verfügen kurzfristige Preisschwankungen hinzunehmen und auf langfristige Wertsteigerungen abzielen. Als die vier zentralen Faktoren, die bedingen wie viel Kapital für langfristige Investitionen zur Verfügung steht, nennt der Report:
- den Rhythmus in dem kurzfristige Forderungen bedient werden müssen,
- die grundsätzliche Investmentausrichtung,
- die Risikofreudigkeit und
- die interne Entscheidungsfindungsstruktur.


Quelle: World Economic Forum, Oliver Wyman

Langfristige Investoren unterscheiden sich grundlegend darin, wie sie mit diesen Faktoren umgehen. Lebensversicherer und Pensionsfonds sind einerseits die größten langfristigen Investoren, andererseits unterliegen sie strengeren Zwängen als beispielsweise Family Offices oder Stiftungen. Im Zuge der Finanzkrise hat außerdem ein Mentalitätswechsel stattgefunden und die institutionellen Anleger überdenken ihre Allokation in kurz- und langfristigen Investments. Auch die neuen Eigenkapitalvorschriften führen zu einer Reduzierung der bestehenden Kapitalallokation in riskante und volatile Assets. Der Trend geht weg von Eigenkapitalinvestments hin zu liquideren Fremdkapitalinvestments.


Quelle: World Economic Forum, Oliver Wyman

Die Autoren schlussfolgern, dass sich die Abnahme der langfristigen Investments von Lebensversicherern und Pensionsfonds fortsetzen wird und nur zu einem Teil durch Ausweitung der Investitionen von Family Offices und Stiftungen aufgefangen werden kann. In der Summe wird es zu einem Rückgang des langfristigen Investitionsvolumens kommen. Der World Economic Forum sieht in dieser Dynamik ein großes Gefahrenpotenzial für die weltwirtschaftliche Entwicklung.


Quelle: World Economic Forum, Oliver Wyman

Der Report schließt mit sechs Empfehlungen für Politik und Investoren. Darin rufen die Autoren die Politik dazu auf in ihren Entscheidungen bezüglich schärferer Regulierung und Eigenkapitalanforderungen die Wichtigkeit langfristiger Investitionen nicht zu unterschätzen. An Investoren appellieren sie, die Performancemessung und Managemententlohnung langfristiger auszulegen und den Abbau von Agency-Problemen voranzutreiben.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
zurück